Psychotherapeut in der Krise. Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Kultur

Man muss sich das echte Leben wie eine fade Schuhschachtel vorstellen. Weiße Wände, Tisch, Sessel, Couch. Sonst nichts. Alles, was spannend ist, wird in bunten Filmchen an die Wand projiziert.

So ist diese Bühne und so ist Martins Leben. Martin (Manuel Witting) ist Psychotherapeut und er ist in der Lebenskrise. Seiner Ehe fehlt die Leidenschaft, seine Patienten gehen ihm auf die Nerven.

Die Höhepunkte seiner Tage sind die virtuellen Begegnungen mit einer Influencerin namens Gret ( – dass er sich in Wahrheit mit Chatbots unterhält, fällt ihm nicht auf). Manchmal denkt er, er würde gerne alles hinter sich lassen, ein neues Leben beginnen. Genau dieses Angebot macht ihm eine ultrasexy Frau im Lederkleid, die sich als CEO einer Firma vorstellt, die sich darauf spezialisiert hat, echte Menschen durch Avatare zu ersetzen. Eine Win-win-Situation, versichert sie Martin. Er kann endlich machen, was er will, die lästigen Pflichten erledigt sein Avatar. Nona hat die Sache einen Haken. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, wusste schon der Philosoph Theodor Adorno.

Selbstoptimierungszwang

Hakon Hirzenberger beschreibt in seinem Stück „Der Tausch oder das letzte Angebot“ vieles, das den Geist unserer Zeit bestimmt: Von der Angst, durch künstliche Intelligenz ersetzt zu werden über permanenten Selbstoptimierungszwang bis hin zur geistigen und sentimentalen Inhaltsleere sowie der Unfähigkeit, mit den manchmal auch faden Seiten des Lebens fertig zu werden. Da ist viel drin, vielleicht eine Spur zu viel. Manche Nebenfiguren bekommen mehr Raum, als diese Geschichte bräuchte.

Etwas überdreht

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Neben Manuel Witting sind Susanna Bihari, Melanie Herbe, Sonja Reisenbichler und Nikolaus Firmkranz zu sehen, Regie führt Hakon Hirzenberger. Der Abend ist sympathisch, das Ensemble agiert routiniert, stellenweise ein bisschen überdreht. Aber das passt vielleicht ganz gut, denn mit Komödie hat dieses Stück nur zu Beginn zu tun. Mittendrin wird’s ein ziemlicher Albtraum. Oder auch, wie es bei Ferdinand Raimund heißt, ein Zaubermärchen. Ein finsteres, KI-geprägtes eben. Die Antwort auf Martins Krise kommt wie bei Raimund von einer Fee, die ihm, einem Deus ex Machina gleich, ein besseres Dasein verspricht. Und natürlich hat dieses Versprechen einen Preis. Den seines Lebens. Das klingt dann weniger nach Theodor Adorno als nach Marko Arnautović – jenem Fußballer, der einst einem Polizisten mitteilte, er sei so reich, er könne sein Leben kaufen. Eh auch sehr philosophisch.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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