Villa Rezek: Juwel der Wiener Moderne vor Abriss gerettet

Wirtschaft

Manchmal ist es Beharrlichkeit, die Dinge ins Rollen bringt. So geschehen bei der Villa Rezek, die sich heute wieder so präsentieren darf, wie sie einst entworfen war. Doch es war Rettung in letzter Sekunde. „Der damalige Eigentümer, ein Investor, wollte aus der Villa Luxuswohnungen machen lassen“, erzählt Architekt Maximilian Eisenköck. „Als das Bundesdenkmalamt die Villa Rezek unter Schutz stellte, ließ er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion noch alle Einbauten herausreißen.“ Eine Stiftung, die sich bereits seit Jahren beharrlich – aber vergeblich – für die Sanierung eingesetzt hatte, konnte endlich triumphieren. „Der Investor hatte nun das Interesse verloren und verkaufte die Villa Rezek an die Stiftung“, fasst Maximilian Eisenköck die Rettung zusammen.

Licht, Luft, Sonne

Warum sich die Stiftung so für die Sanierung der Villa Rezek einsetzte, hat einen guten Grund. Das Wohnhaus, das das junge Arztehepaar Philipp und Anna Rezek in Pötzleinsdorf in Wien bauen ließen, gilt als ein Meisterwerk der Wiener Moderne. In den frühen 1930er-Jahren waren die hygienischen Bedingungen in der Stadt katastrophal: Nur acht Prozent der Wohnungen verfügten über eine eigene Toilette oder fließendes Wasser, mehrere Personen teilten sich einen Schlafplatz, geheizt wurde mit Kohle und Holz. Die Folge: Die Tuberkulose grassierte und forderte unzählige Todesopfer. Wer es sich leisten konnte, zog in die Randbezirke.

„Philipp und Anna Retzek waren Internisten“, erzählt Maximilian Eisenköck. „Sie wünschten sich für sich und ihre Kinder ein glückliches, gesundes Zuhause – und haben sich vom Architekten Hans Glas, einem Loos-Schüler, ein lichtdurchflutetes, durchlüftbares Hygienehaus, wenn man so will, bauen lassen.“

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Die Villa Rezek ist eine Ode an Licht und Luft. „Die Fenster sind ein spezieller, sehr wichtiger Aspekt für das Haus“, so Eisenköck. „Sie wurden zum Teil raumhoch geplant und konnten im Boden versenkt werden.“

Auch sonst finden sich viele Elemente vor, die in den damals überall erbauten Lungenheilanstalten und Sanatorien zu finden waren. Anstelle von Kaminöfen gab es eine, für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Öl-Zentralheizung, und in der Küche wurde mit Strom gekocht. Maximilian Eisenköck: „Der Hygienegedanke war allgegenwärtig.“

Von Glück und Leid

Die Architektur des 1933–1934 erbauten Hauses folgt dem Anspruch der klassischen Moderne. Stahlbeton, klare Linien und ein Flachdach verleihen der Villa ihre Optik. Balkone und Terrassen öffnen das von der Straßenseite streng wirkende Haus in Richtung Garten. Auch die Innenausstattung war am Puls ihrer Zeit. Raffinierte Einbauten und edle Hölzer sorgten für einen unverkennbaren Look. Ein Magazin der damaligen Zeit beschrieb die Villa als Ort der „Heiterkeit, lebensfrohen Moderne und liebevollen Raumkultur“.

Die Rezeks waren glücklich mit ihrem Zuhause – doch leider nicht lange. 1938 musste die jüdische Familie vor dem NS-Regime in die USA fliehen und ihre Villa wurde zwangsenteignet. „Zwar haben die Rezeks nach dem Krieg ein Rückstellungsverfahren eingeleitet, aber ihre Villa nie mehr bewohnt“, erzählt Maximilian Eisenköck. „Danach ging sie durch viele Hände und die letzten Eigentümer demolierten die Inneneinbauten, Böden und Decken.“ In diesem Zustand übernahm die Stiftung das kaum noch zu erkennende Architekturjuwel.

Auf Spurensuche

Und hier kommt Maximilian Eisenköck ins Spiel. Der Architekt wurde beauftragt, die Villa Rezek zu sanieren. „Es war nur mehr eine zerstörte Hülle“, erzählt er. „Aber mein Anspruch …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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