
Die Homepage des Versicherungsmaklers ist eine statische Seite mit einem Zitat und den Kontaktdaten – Diskretion ist im Private-Broker-Geschäft alles. Philip Machat betreut mit seinem Versicherungsmaklerunternehmen Douglas-Machat & Cie. seit 25 Jahren gehobene Privatkunden, Unternehmen wie Juweliere, auch Schlossbesitzer, Privatsammlungen oder Ausstellungen. Seine Aufgabe: Mit dem Kunden für den jeweiligen Sachverhalt die beste Versicherung auf dem europäischen Markt zu finden. Oft sind diese Versicherer in England, bekannt ist etwa Loyds London, die landläufig „alles“ versichern – von der Stimme des Popstars bis zu Spaceshuttles.
Der Versicherungsexperte kennt die Abläufe im Schadensfall. Was passiert, wenn, wie diese Woche in Wien, ein sogenannter „Ram-Raid“ auf einen Juwelier erfolgt? Also ein Auto als Rammbock für den Einbruch ins Geschäft verwendet wird. Und der Schaden enorm ist.
KURIER: Angeblich hat der Juwelier um 3 Uhr früh vom Überfall erfahren. Wann weiß es der Versicherungsmakler?
Philip Machat: Da ist die Kommunikation sehr schnell, ein paar Stunden später, wenn er es nicht ohnehin schon aus den Medien weiß. Wenn es so ein Ereignis gibt, hat der Kunde viel zu tun, mit Polizei, Mitarbeitern, dem zerstörten Geschäft. Das Versicherungsteam muss er nur informieren, dann beginnt die Abwicklung. Es ist im Grunde alles vorbereitet.
Woher weiß der Versicherer, wie hoch die Schadenssumme ist?
Das ist relativ einfach: Im Vorfeld evaluieren wir genau. Eine gute Polizze passt sich an die Gegebenheiten und die Volatilität des Kunden an. Das ist ja keine Standardpolizze, sondern eine abgestimmte Juwelier-Block-Versicherung, die den Kunden individuell abbildet. Bei Juwelieren geht es um eine hohe Wertkonzentration und um komplexe Abläufe. Im Schadensfall geht also nicht die große Fragerei los.
Aber wie evaluiert man, was gestohlen wurde?
Das weiß der Kunde. Es ist ein tiefes Vertrauensverhältnis. Die Versicherung zahlt nach Feststellung der Schadenshöhe – das geht innerhalb von Tagen, weil man auch versteht, dass der Kunde weitermachen muss.
Liegt eigentlich immer Originalware in der Auslage?
Ich gehe davon aus.
Welche Werte sind üblicherweise versichert?
Auch das ist Vereinbarungssache. Manche versichern Einkaufswerte, manche Verkaufswerte, das ergibt dann die Prämie. Es gibt auch Selbstbehalte im Schadenfall, aber die fallen bei Großschäden nicht mehr sehr ins Gewicht. Ob es 5.000 Euro Selbstbehalt gibt oder nicht, ist im Millionen-Schadenfall irrelevant.
Gibt es Versicherungsobergrenzen?
Nein. Man kann alles auf dem internationalen Markt versichern. Das Risiko wird gebündelt, da gehen sich auch extrem hohe Werte aus. Bei Kunstausstellungen sind das Milliarden. Beim aktuellen Fall von Wien wurde die sogenannte Nachtauslage ausgeraubt, die findet man in Europa kaum noch. Auch sie ist explizit versichert.
Lässt so ein Überfall die Prämien steigen?
Dass es, wie hier, ein großer Schaden ist, ist irrelevant, weil es keine unmittelbare Auswirkung auf die gesamte Risikogemeinschaft hat.
Aus Ihrer Erfahrung: Sind Juweliere immer auf so etwas versichert?
Es gibt durchaus Juweliere, die sich dagegen entscheiden. Die meisten sind es aber.
Welche Sicherheitsmaßnahmen müssen Juweliere erfüllen, um den Versicherungsschutz zu erhalten?
Ein Juweliergeschäft ist kein gewöhnlicher Einzelhandel. Da ist auf wenig Fläche sehr viel Wert gebündelt. Es braucht also erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Es ist unsere Spezialität, das im Vorfeld mit dem Kunden zu regeln.
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft



