Zanele Muholi im Foto Arsenal: Narben, Posen, Regenbogen

Kultur

Ein Bild dieser Ausstellung heißt „In-Security“, und es zeigt eine Person in einem Uniformoverall – die Arme verschränkt, aber nicht auf die selbstbewusste Art.

Die Reihe „Only Half the Picture“ von Zanele Muholi ist eine Fotokunst der Anspielungen. Zumal den Bildern etwas Entscheidendes fehlt: ein Gesicht, das einen die Abgebildeten identifizieren lässt. Der Hintergrund: Muholi porträtiert hier Opfer von homophoben Hassverbrechen. Südafrika, wo die Bilder entstanden, hat zwar eine progressive Verfassung, die schützt die Betroffenen aber nicht vor Gewalt. Deshalb hängen hier Fotos von einer oberschenkellangen Narbe und von einem diskreten Blick in ein Krankenhauszimmer.

Zanele Muholi, bereits bei der Biennale in Venedig und in der Tate Modern zu sehen gewesen, ist derzeit die Retrospektive „We Are Here“ im Foto Arsenal Wien gewidmet. Muholi, selbst non-binär, dokumentiert queeres Leben in Südafrika. Aber nicht nur die Schattenseiten. In der Serie „Being“ zum Beispiel werden queere Paare in alltäglichen Situationen gezeigt. Diese Fotos sind manchmal sehr intim, aber auch bodenständig, wie ein Frauenpaar, das fröhlich neben einem alten Herd poussiert. Andere haben die Ästhetik einer Hochglanz-Unterwäschewerbung, wie jenes Paar, bei dem sich Körperteile hellerer Haut und solche dünklerer Haut ineinanderschlingen. Zuholi eignet sich da elegant heteronormative Sehgewohnheiten an.

Tapfer schön

In der Serie „Brave Beauties“ werden wiederum Transfrauen porträtiert. Auch hier gibt es Bilder wie „Miss Lesbian II“, eine Schönheitskönigin, die im Vordergrund eine Modelpose einnimmt, während ihre Miss-Schärpe im Hintergrund auf einem unglamourösen Bürostuhl ruht. Gleich daneben aus derselben Serie drei Fotos, die auch in einem avantgardistischen Modemagazin Platz finden könnten: Die Porträtierte trägt etwa einen Zweiteiler ganz aus Frischhaltefolie.

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In der Reihe „Queering Public Space“ schließlich wird die Zurückhaltung gänzlich abgelegt. Hier geht es – im Vergleich zu den sonstigen Schwarz-Weiß-Fotos sehr farbenfroh – darum, die Sichtbarkeit von LGBTQI+-Personen in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Das gelingt etwa mit dem Foto von „Miss Gay South Africa“ Melissa Mbambo, die selbstbewusst mit einem Regenbogensonnenschirm an einem Strand steht, die Pride-Farben verdoppeln sich unversteckt im Wasser.

Apropos stolz: In der Reihe „Somnyama Ngonyama“ (Zulu für „Sei gegrüßt, schwarze Löwin“) spielt Muholi ironisch mit afrikanischer Identität, wenn auf den ersten Blick wie Stammestrachten wirkende Outfits sich als gewitzte Kreationen aus Kämmen, Radschläuchen oder Kluppen entpuppen. Eine doppelbödige Schnitzeljagd.

Die Ausstellung läuft – wie die Schau Eric Asamoah: As Our Hearts Bow – bis 10. Jänner 2027.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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