Überaus beliebt – aber Japans Kaiserin wird Aiko nicht

Politik

Japans Kaiserhaus hat ein Problem: Es gibt keinen Kronprinzen, keinen männlichen Thronfolger für Kaiser Naruhito. Seine Tochter, Prinzessin Aiko, 25, ist zwar das beliebteste Mitglied der japanischen Kaiserfamilie; ihre Fans stehen stundenlang in brütender Hitze, um nur einen Blick auf die populäre junge Frau zu erhaschen; ihr Gesicht prangt auf Dutzenden Magazinen – doch das ändert alles nichts daran: Laut Gesetz wird Aiko niemals Kaiserin in Japan werden. Und das soll auch für die Zukunft so bleiben.

Dabei hatte Japan in seiner langen Geschichte durchaus Kaiserinnen: Immerhin acht waren es – bis 1770.Dann begann die bis heute ununterbrochene Ära der Männer.

Doch auch im überwiegend konservativen Japan ist etwas in Bewegung gekommen. Warum sollte im 21. Jahrhundert nicht auch eine Frau den Chrysanthementhron besteigen?, wurde in einer landesweiten Meinungsumfrage gefragt, und siehe da – 72 Prozent der Japanerinnen und Japaner wünschen sich Prinzessin Aiko als Kaiserin.

Ein gewaltiger Stimmungswandel

Eine Sensation und ein gewaltiger Stimmungswandel, dem aber die streng konservative Regierung in Tokio und die Traditionalisten im Land keinesfalls folgen wollen.

Ein neues Gesetz musste her – es wird nun Ende Oktober wirksam: Premierministerin Takaichi und ihre konservativen Verbündeten setzten im Sommer Verfassungszusätze durch, die die ausschließlich männliche Thronfolge für Generationen zementieren werden. Wichtig war dabei vor allem: Bloß keine Kaiserin für Japan, bloß keine Frau an der Spitze der japanischen Monarchie.

Die etwas schräge Lösung: Adoption. Männliche Nachkommen aus elf „Nebenzweigen“ der Familie, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Kaiserhaus ausgetreten sind, sollen wieder aufgenommen werden. So kann ein entfernter männlicher Verwandter in die Familie „adoptiert“ werden, vorausgesetzt, er ist ledig und über 15 Jahre alt. Wenn er heiratet und seine Frau einen Sohn zur Welt bringt, würde dieses Kind dann in die Thronfolge aufgenommen.

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Derzeit stehen als Nachfolger für Kaiser Naruhito (66) theoretisch drei Kandidaten parat: Der Bruder des Tenno, Kronprinz Akishino (60), dessen 19 Jahre alter Sohn Prinz Hisahito und Naruhitos Onkel Prinz Hitachi – der allerdings schon 90 Jahre alt ist. Sollte Hisahito als einziger verbliebener Prinz in der jüngsten Generation der Kaiserfamilie für kein männliches Kind sorgen, könnte ein männlicher Nachkomme eines adoptierten Familienmitglieds den Chrysanthementhron besteigen. Soweit das neue Gesetz.

Das Problem dabei: Die für eine Adoption ins Kaiserhaus infrage kommenden Mitglieder der ehemaligen Seitenlinien seien als Privatpersonen geboren und aufgewachsen. „Sie reinzuholen, ist sehr, sehr schwierig“, sagt der Kaiserhaus-Experte Ernst Lokowandt gegenüber der dpa. Schließlich müssten diese bereit sein, ihre Freiheit gegen das von uralten Traditionen geprägte und streng geregelte Leben hinter den Palastmauern zu tauschen.

Bereits vor 20 Jahren hatte die damalige Regierung in Tokio vorgeschlagen, eine weibliche Monarchin zuzulassen. Doch dann wurde 2005 der Neffe von Kaiser Naruhito, Prinz Hisahito, geboren – und schon waren die erzkonservativen Kräfte im Land wieder auf Kurs – und der geradezu liberale Vorschlag wurde verworfen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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