Wahlschlappe: Wie Trumps Kronprinzen mit der Niederlage umgehen

Politik

Keine 24 Stunden nach der verheerendsten Niederlage der Republikanischen Partei seit Jahrzehnten gab es für Donald Trump nur ein Thema: Vor Baugerüsten stehend und auf Pläne zeigend schwärmte der US-Präsident von Marmorböden und Zierrat, die künftig den geplanten Ballsaal im Weißen Haus schmücken sollen. Umbauten im Weißen Haus, „sein“ Triumphbogen und das reflektierende Wasserbecken am Lincoln Memorial – all diese Projekte nehmen Trump sichtlich mehr in Bann als das große Wundenlecken innerhalb seiner Grand Old Party (GOP).

Dort hat nach dem Verlust der Mehrheiten in beiden Häusern des US-Kongresses sowie nach Niederlagen im Ringen um mehrere Gouverneurssitze das große gegenseitige Schuldzuweisen begonnen. „Bitte tun Sie uns den Gefallen und treten Sie zurück“, appellierte ein konservativer Abgeordneter aus Florida an die republikanischen Mehrheitsführer in Senat und Repräsentantenhaus. Die prominentesten konservativen Senatoren und Abgeordneten sind derzeit die erste Zielscheibe der parteiinternen Kritik. „Iran, die Einwanderungsbehörde ICE, Treibstoffpreise, mangelnde Fokussierung auf finanzielle Belange“ – all das seien die Gründe für die Wahlniederlage, hat eine andere Gruppe Republikaner analysiert.

Doch noch wird nicht derjenige offen kritisiert, der all diese Fehlentwicklungen zu verantworten hat: US-Präsident Donald Trump. Nach wie vor führt der 80-Jährige die Partei mit eiserner Hand. Wer wagte, ihn in Frage zu stellen, wurde bisher lächerlich gemacht, beschimpft, diskreditiert und im schlimmsten Fall aus der Partei ausgeschlossen. So begann sich die einst stolze konservative Grand Old Party stramm hinter ihn zu stellen und ihm zu folgen, auch wenn sich hin und wieder Unmut über seine Präsidialerlässe – etwa bei den Zöllen – regte:

  Trump verteidigt Krieg gegen den Iran trotz Wahlniederlage

Wer wagt sich aus der Deckung?

Die geschockte Partei steckt jetzt in einem Dilemma: Wie eine politische Kurskorrektur vornehmen, ohne Trumps Zorn zu riskieren? Denn dass die Zölle wieder gesenkt, der Iran-Krieg beendet werden und die enorm gestiegenen Preise wieder sinken müssen, ist fast allen republikanischen Parteimitgliedern klar – wenn sie denn 2028 nicht auch noch die nächsten Präsidentenwahlen verlieren wollen. Wer also wagt sich als erster aus der Deckung?

Einen zarten ersten Versuch startete Trumps Vize JD Vance. „Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg“, schrieb die Nummer zwei der Trump-Regierung auf X. Das Verhältnis zu Israel, die Lebenshaltungskosten und amerikanische Prioritäten müssten neu sortiert, der Zwist mit dem Iran möglichst bald beendet werden, forderte er. Doch das Kunststück, sich von Trump zu distanzieren und gleichzeitig eines der wichtigsten Mitglieder des Trump-Teams zu bleiben, kam bei vielen Republikanern gar nicht gut an. JD Vance, der als einer der „Kronprinzen“ Trumps als künftiger Präsidentschaftskandidat für 2028 gilt, solle weniger analysieren und lieber konkrete Lösungen liefern, giftete ein früherer Stabschef des früheren US-Vizepräsidenten Pence.

Vances schärfster Konkurrent im Rennen um die nächste Präsidentschaftskandidatur, Außenminister Marco Rubio, hält sich unterdessen überraschend bedeckt. Kaum ein Wort über die bittere Niederlage der Republikaner war ihm bisher zu entlocken.

Er soll sich, wie der Economist in Erfahrung gebracht haben will, „stillschweigend nach Stellen in der Privatwirtschaft erkundigt haben“. Ohnehin sei es viel zu früh, über mögliche Nachfolger für Donald Trump zu spekulieren, berichten USA-Experten. Die verheerende Niederlage bei den Midterm-Wahlen zwinge die Partei zu einer Neuorientierung. Und innerhalb dieser unabdingbaren …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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