Marke Alaba als Vorbild: Vereinstreu ist heute nur noch der Fan

Sport

Wenn Ralf Rangnick als begehrter Gastredner diverser Veranstaltungen zum Mikrofon greift, vergisst der ÖFB-Teamchef auch nach der WM nie, David Alaba als Österreichs erfolgreichsten Fußballer, großartigen Teamplayer und wunderbaren Menschen zu würdigen. Darauf hoffend, dass sein Teamkapitän rechtzeitig vor den Herbstländerspielen bei einem neuen Verein andockt.

Noch ist nicht davon auszugehen, dass der Mann, dem eine neue Briefmarke gewidmet ist, in seinem Traumberuf die Post versäumt. Noch wird Alaba nahezu täglich mit einem anderen Klub, einem anderen Land oder anderem Kontinent in Verbindung gebracht. Einmal war Alaba (ohne vermutlich selbst davon zu wissen) schon mit einem Kickerbein in der US-Liga, ein anderes Mal bei arabischen Scheichs, dann wieder bei Juventus in Turin und zuletzt bei AC Milan.

Die Marke Alaba

Fix ist nur, dass der künftige Arbeitgeber nicht 22,5 Millionen Jahresgehalt, wie es Alaba laut der französischen Sportbibel L’Equipe in Spaniens Primera Division bezog, für einen 34-Jährigen zahlen wird. Aber die Marke Alaba garantiert Online-Plattformen mit Locktiteln wie „Transferhammer Alaba, Knall um Teamkapitän“ mehr Klicks als jede seriöse Match-Analyse. Was nicht unbedingt für die Medienbranche spricht, und den Schreiber dieser Zeilen an seine journalistischen Anfänge erinnert, als man ihn mit der (von ihm nie bewältigten) Aufgabe konfrontierte, täglich eine Transferg’schicht’ zu liefern. Nachsatz: „Denn sowas, Burli, interessiert die Leut’ im Fußball am meisten.“

Hat sich somit gar nix geändert? Falsch.

Inzwischen gibt es längst nicht nur eine Sommer- sondern auch eine Wintertransferzeit.

Inzwischen – konkret seit dem Bosman-Urteil 1995 – sind die Spieler keine Leibeigenen mehr, denen die Klubs einen Wechsel verbieten konnten.

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Inzwischen wird (auch in Österreich) viel mehr mit höherer Intensität gelaufen. Erfolgen in einem Match viel mehr Spielertäusche. Sind die Kader viel größer geworden.

Übersicht verloren

Hatten Fußball-Freunde früher die Namen ihrer Lieblingsteams von 1 bis 11 noch Jahre später auswendig aufzählen können, so verlieren jetzt selbst Insider die Übersicht. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Die Liga ist zum Durchhaus geworden, in dem sich freilich auch die Chance ergibt, Kicker gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen. Für Beträge, die höher sind als die Zuschauereinnahmen. So sollen jüngst für die Verteidiger Jannik Schuster (von Salzburg zu Brentford) und Jeyland Mitchell (von Sturm Graz nach Straßburg) 20 bzw. acht Millionen überwiesen worden sein.

Vereinstreu ist quer durch Europa bald nur noch der Fan. Oder ein Superstar, der bei einem Top-Verein spielt, über den finanziell wie sportlich nix drüber geht. Siehe Bayern München, siehe Real . Siehe David Alaba, der wohl gern ein siebentes Jahr in Madrid geblieben wäre.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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