
In den vergangenen Jahren haben Versicherungen unter stetig sinkenden Prämieneinnahmen bei Lebensversicherungen gelitten. Als Hauptgrund nennt Ralph Müller, Chef der Wiener Städtischen, die lang andauernde Nullzinsphase. „Die Gesamtverzinsung von 1,75 Prozent hat dem Thema nicht gutgetan, auch wenn sie über der Inflation gelegen ist.“
Doch seit drei Jahren gebe es starke Zuwächse. Kundinnen und Kunden würden den Druck auf das staatliche Pensionssystem zunehmend wahrnehmen und seien stärker motiviert, selbst mehr vorzusorgen. „Wir reden das Umlagesystem nicht krank, es geht aber darum, es abzusichern“, so Müller.
Die Wiener Städtische sei mit einem Marktanteil von knapp 25 Prozent Marktführer und habe sich schon in den vergangenen Jahren vom rückläufigen Trend entkoppeln können. Das Wachstum bei den laufenden Prämien habe im Vorjahr 1,8 Prozent betragen, während der Gesamtmarkt um weitere 1,9 Prozent zurückgegangen sei. „Wir sind der Frontrunner“, so Müller.
Heuer betrage der Zuwachs im Neugeschäft im ersten Halbjahr bereits 63,8 Prozent. Laut Müller könnte es im Gesamtmarkt dieses Jahr für eine schwarze Null reichen. Als Gründe, warum es bei der Städtischen bei Lebensversicherungen schon länger aufwärts geht, nennt Müller den Vertriebsmix, der auch über die Erste Bank und die Sparkassen erfolgt, sowie ausführliche Schulungen der Vertriebsmitarbeiter.
Kosten und Rendite
Vor allem fondsgebundene Lebensversicherungen seien gefragt, ihr Anteil am Neugeschäft stieg von einem Drittel im Jahr 2022 auf mehr als die Hälfte. Die deutlich weniger riskanten klassischen Lebensversicherungen hätten dennoch ihre Berechtigung, nämlich neben der betrieblichen Ebene für jene Menschen, die nicht die Nerven für Kursschwankungen hätten.
Ein weiterer Trend: Die Nachfrage nach günstigen ETFs als Basis der Lebensversicherung sei deutlich gestiegen und halte bereits bei 48 Prozent. Der Nachteil sei jedoch, dass hierbei vor allem vor allem ETFs in MSCI World und S&P 500 ausgewählt würden. Das Ziel, den europäischen Kapitalmarkt zu unterstützen, sei damit nur schwer erkennbar. Müller regt eine steuerliche Unterstützung für Investments in Europa an.
Bezüglich Kosten sind diese laut Müller in den vergangenen Jahren auf nur noch 0,4 bis 1,0 Prozent im Jahr geschrumpft. Eine Rendite von vier bis fünf Prozent sei realistisch.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



