Auch wenn der Krieg im Iran endet, wird der Hunger bleiben

Politik

Für einen kurzen Moment, so schien es, war ein Ende des Krieges in Nahost diese Woche zumindest näher gerückt. Die USA und der Iran stünden kurz vor einer Friedensvereinbarung, zeigte sich US-Präsident Donald Trump selbstsicher. Die Waffen sollten schweigen, ein detailliertes Abkommen ausgearbeitet, die Straße von Hormus rasch geöffnet werden, meldeten Insider. Doch bislang blieb eine Einigung aus – und die für den Welthandel so wichtige Meerenge bleibt dicht.

Die Folgen davon haben in den letzten zwei Monaten die weltweiten Energiemärkte bereits massiv zu spüren bekommen. Nun könnte daraus aber eine noch größere Krise erwachsen: eine Hungersnot historischen Ausmaßes. Bis zu 45 Mio. zusätzliche Menschen, so schätzt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), könnten in den Hunger abrutschen, sollte der Krieg noch bis Juni andauern. Damit stiege die Zahl der Menschen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, weltweit auf 363 Millionen – ein Höchststand.

Dreifache Krise

„Von den beiden großen Schocks – dem Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Covid-Pandemie – haben wir uns nie wirklich erholt“, sagt Martin Frick, WFP-Direktor für Deutschland, Österreich und Liechtenstein, im KURIER-Gespräch. „Vor Covid litten rund 135 Millionen Menschen unter akutem Hunger. Schon vor dem Krieg mit Iran waren es 318 Millionen. Nun könnten wir sogar den Höchststand zu Beginn des Ukraine-Krieges übertreffen.“

Die Krise wirke gleich dreifach: Da sind zum einen die hohen Energiepreise, die sich „immer auch in Ernährungssystemen durchschlagen“, wie der UN-Diplomat betont. „Letztlich ist es das, was Menschen in den Hunger treibt: dass sie sich Lebensmittel schlicht nicht mehr leisten können.“ Schon geringe Preissteigerungen können Menschen in ärmeren Weltregionen in existenzielle Not stürzen. 

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Dazu kommt die Düngerkrise: „Die Straße von Hormus ist nicht nur ein Flaschenhals für globale Energielieferung, sondern auch für einen großen Teil des weltweiten Düngemittelhandels.“ Weil dieser nun blockiert ist, könnten laut der Weltbank die Düngerpreise heuer um bis zu 31 Prozent steigen. Auch das trifft vor allem diejenigen, die ohnehin am verwundbarsten sind: jene 500 Mio. Kleinbauern, die rund ein Drittel der Welternährung sichern. „Genau sie können sich jetzt Düngemittel nicht mehr leisten“ – und das mitten in der Pflanzsaison. Die Folge: geringere Erträge, stillgelegte Felder – und eine „Krise mit langer Zündschnur“, wie Frick warnt. Die wahren Auswirkungen der Krise würden schließlich erst bei der nächsten Ernte sichtbar.

Hilfsgüter stecken fest

Der dritte Faktor betrifft Handelsrouten und damit das WFP und andere Hilfsorganisationen ganz direkt. Frick: „Wir haben in Dubai ein großes Warenlager, mit dem wir die Region versorgen. Derzeit sind über 70.000 Tonnen Hilfsgüter, die irgendwo mit dem Schiff unterwegs sind, von Verzögerungen betroffen oder kommen nicht weiter.“ Das Problem: Selbst wenn der Krieg und die Blockade morgen enden würden, dürfte sich der Schiffsverkehr erst in vier bis fünf Monaten normalisieren. 

„Das ist wie bei einem Autobahnstau“, erklärt Frick. „Auch wenn die Unfallursache beseitigt ist, dauert es lange, bis sich der Verkehr wieder sortiert.“ Liegeplätze in Häfen sind lange im Voraus vergeben, Hunderte feststeckende oder umgeleitete Tanker verursachen Rückstaus und längere Fahrten. Zugleich werden Versicherungsprämien für die Durchfahrt durch die Meerenge – die weiterhin als Hochrisikozone gilt – weiterhin hoch bleiben. „Das gesamte System gerät …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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