Vorhang für immer zu: Der tiefe Fall des Herrn Hui

Politik

Sichtlich gealtert, mit stark ergrauten Haaren, flankiert von zwei Polizisten, so steht er gebrochen vor seinen Richtern.Hui Ka Yan lebte ein Leben der Superlative, damit ist es endgültig vorbei.

Der Gründer und frühere Vorstandschef von Evergrande, Chinas einst größtem Immobilienkonzern, wurde wegen zahlreicher Finanzvergehen, darunter Betrug, Unterschlagung und Bestechung, zu lebenslanger Haft verurteilt – sein restliches Vermögen wird eingezogen. Er habe Reue gezeigt, schreiben chinesische Medien, die zuvor von „abscheulichen Umständen und gravierenden Schäden für die Gesellschaft“ berichteten. Vielleicht hat ihm die Reue eine noch schlimmere Strafe erspart.

Der 67-Jährige in Ungnade gefallene Immobilienmagnat steht für eine der dramatischsten Unternehmensgeschichten Chinas. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, führte er schließlich ein riesiges Geschäftsimperium an.

Im Jahr 2017 kürte ihn Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 42,5 Milliarden US-Dollar zum reichsten Mann Asiens. Das Geld stammte aus seiner Mehrheitsbeteiligung und den Dividenden des von ihm gegründeten Konzerns, den er 2009 höchst erfolgreich an die Börse in Hongkong gebracht hatte.

Mitten in einem sagenhaften Immobilienboom in China, ausgelöst durch die massive Urbanisierung und den steigenden Wohlstand des Landes, hat Hui Evergrande mit immer noch mehr Fremdkapital zu gigantischer Größe aufgeblasen. Und schließlich, so sagen es Gläubiger wie Ankläger, auf Basis überhöhter Vermögenswerte Aktien und Anleihen an Investoren verkauft – bis das Kartenhaus in sich zusammenbrach.

Evergrande steht symbolisch für die bis heute andauernde Immobilienkrise Chinas, aber auch stellvertretend für eine Branche, die in ihren besten Jahren ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung erzielte.Bloomberg urteilt: „Hui hat Evergrande während des langen Immobilienbooms in China zu einem Paradebeispiel für unternehmerische Maßlosigkeit gemacht.“

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Mit seinem vielen Geld investierte Hui quasi nebenbei in den Spitzenfußball. Sein Club „Guangzhou FC“ war seinerzeit der führende chinesische Verein. Er kaufte Jachten sowie Villen und stieg auch politisch bis in das wichtigste Beratergremium der Kommunistischen Partei Chinas auf. Ein Foto von ihm auf einem Parteitag, auf dem er einen Gürtel mit goldener Schnalle der französischen Luxusmarke Hermes trug, verbreitete sich rasch in den sozialen Medien und brachte ihm den Spitznamen „Gürtelbruder“ ein.

Begonnen hatte alles ganz anders: Geboren wurde Hui 1958 in eine arme Familie auf dem Land in der zentralchinesischen Provinz Henan. Seine Mutter starb an einer Blutvergiftung, bevor er ein Jahr alt war. Er wuchs bei seiner Großmutter auf. Die Jahre waren geprägt von Maos „Großem Sprung nach vorn“. Die schnelle Industrialisierung des landwirtschaftlich geprägten Riesenreiches löste eine Hungersnot aus, der Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Hui hatte Glück. Er konnte nach dem Ende der Kulturrevolution Metallurgie studieren und arbeitete ein paar Jahre in einem Stahlwerk. Danach wurde er als Verkäufer für einen Immobilienentwickler in Guangzhou im Süden Chinas tätig. Dort gründete er 1996 Evergrande.

Zu seiner Hochblüte kam der Konzern auf 1.300 Immobilienprojekte in 280 Städten des Landes. Das Geschäftsmodell bestand darin, große Kredite aufzunehmen und anschließend aggressiv Wohnungen zu verkaufen, die nur zu oft noch nicht einmal gebaut waren. Hui hatte Evergrande zu dem am höchsten verschuldeten Bauträger der Welt gemacht.

2020 begann der Niedergang. Peking führte neue Vorschriften ein, um die Kreditaufnahme der Immobilienentwickler zu begrenzen. Evergrande wurde von frischen Mitteln abgeschnitten und musste Wohnungen mit großen Rabatten …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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