
Die USA bemühen sich offenbar um neue Kommunikationskanäle zum Iran. US-Außenminister Marco Rubio messe dabei Österreich und Griechenland besondere Rollen zu.
Das berichtet das iranische Medium Iran International in einer Analyse, die von der Tageszeitung Die Presse und dem griechischen Wirtschaftsblatt Naftemporiki aufgegriffen wurde. Washington suche nach alternativen diplomatischen Kanälen, sollten die aktuellen Bemühungen zusammenbrechen.
Das analysierte laut Presse auch die Agentur AP. Mit Wien und Athen hole sich die US-Regierung demnach jedenfalls zwei Europäer an Bord, die für mögliche diplomatische Bemühungen bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Im Fokus stehen dabei auch Telefongespräche des iranischen Außenministers Abbas Araghchi mit Österreichs Chefdiplomatin Beate Meinl-Reisinger (Neos) beziehungsweise dem griechischen Amtskollegen Giorgos Gerapetritis.
Die Kontakte erfolgten wenige Tage, nachdem der US-Secretary of State Amtskollegin Meinl-Reisinger in Washington empfangen und anschließend mit Gerapetritis telefoniert hatte. Nach ihrem Besuch bei Rubio nahm Meinl-Reisinger laut Presse sofort Kontakt zum iranischen Außenminister Araghchi auf. Einen Tag später sprach dann der amerikanische Außenminister mit Gerapetritis – und dieser wiederum kontaktierte ebenfalls Araghchi.
Iran International wertet die zeitliche Abfolge dieser „Vermittlungsversuche“ als möglichen Hinweis auf einen Versuch der USA, den Kreis jener Länder zu erweitern, die als zusätzliche Kommunikationskanäle zu Teheran dienen könnten. Das State Department in Washington dementierte allerdings, die beiden europäischen Außenminister darum gebeten zu haben, konkrete Botschaften an die iranische Führung zu übermitteln. Es bestätigte jedoch, dass das Thema Iran bei den Gesprächen erörtert wurde.
Wien gilt als möglicher Austragungsort für künftige Gespräche
Österreich hat Wien offiziell als möglichen Austragungsort für künftige Gespräche vorgeschlagen. Dabei kann das Land auf seine langjährige Erfahrung in der Diplomatie rund um das iranische Atomprogramm sowie auf seine Rolle als Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zurückgreifen.
Auf griechischer Seite standen bei den Gesprächen mit Teheran insbesondere die Freiheit der Schifffahrt und die Sicherheit des Seeverkehrs im Mittelpunkt. Griechenland verfügt dabei über ein besonderes Gewicht, da es zu den bedeutendsten Schifffahrtsnationen der Welt gehört und unmittelbare Interessen an der Sicherheit der Straße von Hormuz und des Roten Meeres hat. Athen kann daher mit Teheran nicht nur als EU-Mitglied und Verbündeter der USA sprechen, sondern auch als Land mit erheblichen Verquickungen in den internationalen Seeverkehr.
„Keine offzielle Vermittlungsinitiative“
Nach Einschätzung von „Iran International“ handelt es sich aber nicht um eine offizielle Vermittlungsinitiative. Die Rollen Griechenlands und Österreichs seien vielmehr als Sondierungsversuch zu verstehen, um zusätzliche Kommunikationskanäle zu schaffen, während die traditionellen diplomatischen Wege derzeit kaum Fortschritte ermöglichen würden.
Die Analyse warnte zugleich davor, die zunehmende Zahl möglicher Vermittler mit einem Durchbruch gleichzusetzen. Sie könne vielmehr sogar ein Zeichen für die Zersplitterung der diplomatischen Bemühungen sein. Kein Vermittler könne den politischen Willen Washingtons und Teherans ersetzen, eine diplomatische Lösung anzustreben. Allerdings sei es möglich, die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme von Verhandlungen zu schaffen.
Frankreich, Deutschland und Großbritannien verlieren an Bedeutung
Besonders hervorgehoben wurde von „Iran International“ schließlich der Bedeutungsverlust traditioneller europäischer Mächte wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien in ihren Beziehungen zum Iran. Die drei Länder spielten seit Beginn der 2000er-Jahre eine zentrale Rolle bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Ihre Glaubwürdigkeit in Teheran habe jedoch seither deutlich gelitten. Teheran wirft den drei Staaten unter anderem vor, …read more
Source:: Kurier.at – Politik



