
Noga Erez liebt Wien. Für sie stimmt hier einfach alles. Erst unlängst musste sie nach einem kleinen Verkehrsunfall überraschend den Fußweg antreten. Und weil sie hohe Plateauschuhe trug, die ihr schon nach zwei Minuten wehtaten, ging sie einfach barfuß weiter: „Was für eine schöne Stadt. Und so sauber!“, begeistert sich Noga Erez im KURIER–Gespräch: „Hier kann man wirklich gut leben. Es hat beinahe etwas Utopisches.“
Noga Erez – im Live-Gespräch ein mitreißendes Gegenüber – ist mit ihrem Kreativ- und Lebenspartner Ori Rousso auf Besuch in der Hauptstadt. Die israelische Popsängerin trat hierzulande schon mehrfach auf, heuer erstmals auf dem FM4-Frequency–Festival. Doch nicht nur die Musik brachte sie und Ori Rousso, der sich bei den umjubelten Bühnenauftritten meist im Hintergrund hält, hierher; das Paar spielt auch die charismatische Hauptrolle in der höchst sehenswerten Doku „Noga“ der Regisseure Benji und Jono Bergmann (derzeit im Kino).
Tanzen mit Tiefgang
Die Brüder Benji und Jono Bergmann aus Wien waren nicht die Einzigen, die über den derzeit wohl prominentesten israelischen Musik-Export Noga Erez einen Film drehen wollten. Die Konkurrenz war groß, vor allem in Israel. Als die Dreharbeiten vor fünf Jahren begannen, stand Noga Erez vor ihrem großen Durchbruch. Mit ihrem Album „Kids“ sprengte sie 2021 die Grenzen der Bekanntheit in ihrer Heimat und machte sich international einen Namen. Die Kombination aus elektronischen Sounds, unterkühlten Beats und scharfen, politischen Raps sorgt für aufregende, tanzbare Musik mit gesellschaftlichem Tiefgang.
In Israel zählt Noga Erez zu den regierungskritischen Stimmen im Land und wurde wegen verkürzt zitierter Interviewaussagen auch schon mal von Shitstorms gebeutelt. Umgekehrt wird sie im Zuge der Proteste gegen den von Israel geführten Gaza-Krieg nach dem Massaker am 7. Oktober 2023 international immer wieder boykottiert und von Veranstaltungen ausgeladen, weil sie israelische Staatsbürgerin ist.
Tatsächlich war es gerade diese politische Positionierung, die Benji und Jono Bergmann besonders interessierte: „Wir werden oft gefragt, wie sich der Film durch den 7. Oktober verändert hat“, so Jono Bergmann: „Die politische Dimension war immer schon im Film – eine Künstlerin die sowohl in ihrer Heimat als auch international einem enormen Druck ausgesetzt ist – aber die Ereignisse haben natürlich diesen Strang deutlich verändert und verstärkt.“
Schlaflos
Noga Erez selbst wehrt sich gegen die Zuschreibungen des explizit Politischen. Als ihr Song „Come Back Home“ als Aufruf gelesen wurde, die israelischen Geiseln zurück nach Israel zu bringen, galt das für sie nicht als politisch: „Wenn man fordert, dass das Leiden ein Ende haben und Menschen nach Hause zurückkehren sollen, ist das für mich nicht politisch, sondern menschlich. Heute Nacht konnte ich nicht schlafen, weil ich an all die Opfer dieses Krieges und deren Leiden – auf beiden Seiten – dachte. Dieser Schmerz ist in dem Sinn nicht politisch, sondern jener Ort, an dem ich meine Musik schreibe.“
Beziehung in der Krise
Als das Angebot kam, über mehrere Jahre von einem Filmteam begleitet zu werden, reagierte das Paar unterschiedlich.
„Für mich war es leicht, denn ich liebe die Aufmerksamkeit“, grinst Ori Rousso verschmitzt, während seine Partnerin zögerte: „Ori und …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



