
Katharina Mark
Was im Bernstein einmal eingeschlossen ist, überdauert Jahrmillionen unverändert. Genau das wünschen sich Quentins Heldinnen und gelingt ihnen nicht.
Julika erforscht in Frankfurt fossiles Harz und pflegt daheim ihre kranke Mutter. Ein außergewöhnlicher Fund führt sie an die Lübecker Steilküste zu Ebba, fast 90, die den Stein Jahrzehnte zuvor aus dem Meer gefischt hat. Ebbas Leben beginnt 1943 im Samland, beim Bernsteinfischen mit ihrem Vater und führt über Flucht und Vertreibung an die Lübecker Küste.
Quentin schreibt farbig und adjektivreich, mitunter eine Nuance zu üppig. Ihr Thema aber sitzt: Sorgearbeit innerhalb der Familie, Kinderlosigkeit und Verlust. Quentin erzählt von zwei Frauen, die um innere Freiheit ringen; die eine gegen die Restriktionen ihrer Zeit, die andere gegen die Enge des eigenen Alltags.
So bleibt Ebba kinderlos, verwandelt Wut in Bernsteincollagen und tastet sich durch ein reichlich zerzaustes Leben zu sich selbst vor. Julika steht am Anfang desselben Weges: Ihre Tage zerfallen in Mikroskop und Krankenbett, die Pflegearbeit frisst die Zeit, die für ein eigenes Leben gedacht war. Ein Roman über bröckelnde Rollenbilder und darüber, wie viel Leben sich nachholen lässt.
Stark ist der Text dort, wo er Kulturgeschichte erzählt, statt Gefühle zu erklären.
Source:: Kurier.at – Kultur



