„Lasst nicht zu, dass Ceuta zerbricht“: Gewalt und Proteste erschüttern die Stadt

Politik

Über der Playa Benítez in Ceuta stiegen am Donnerstagabend Rauchwolken auf. An dem Strand unweit des Hafens der Autonomen Stadt campieren seit Wochen Migranten, die meisten von ihnen aus Subsahara-Afrika. Aus Stöcken, Palmwedeln und Planen hatten sie notdürftige Hütten gebaut, um sich ein wenig vor der Sonne zu schützen. Einige davon sind nun nur noch Asche: Eine Gruppe wütender Einwohner Ceutas setzte Teile des Lagers und die wenigen Habseligkeiten der Ankömmlinge in Brand.

Es war der vorläufige Höhepunkt einer Eskalation, die Ceuta seit Tagen erfasst. An drei Abenden in Folge zogen Hunderte Einwohner durch die Stadt und forderten schnellere Rückführungen von Migranten ohne Aufenthaltsrecht. In Chat-Gruppen wird über „Selbstverteidigungsgruppen“ und Nachbarschaftspatrouillen diskutiert; spanische Medien berichten von Aufrufen zu regelrechten Hetzjagden auf Migranten.

Rotes Kreuz blockiert

Zunehmend richtet sich die Wut der Bevölkerung auch gegen die Helfer: Ebenfalls am Donnerstag blockierten Dutzende Bewohner einen Lkw des Roten Kreuzes, der Lebensmittel und Wasser am Strand verteilen sollte.

Vor allem aber wird gegen die linke Zentralregierung und Premier Pedro Sánchez gewettert. Denn viele Ceutíes fühlen sich von Madrid im Stich gelassen. Fast einen Monat ist der Massenansturm vom 30. Juli nun her. Innerhalb weniger Stunden hatte sich die Einwohnerzahl der spanischen Exklave in Nordafrika, in der rund 84.000 Menschen leben, beinahe verdoppelt. Die allermeisten der hauptsächlich jungen Marokkaner kehrten zwar kurz darauf über den Grenzübergang El Tarajal zurück. Tausende aber blieben – und schlafen seither in Parks, an Stränden oder auf der Straße.

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Ihre genaue Zahl ist noch immer unklar. Die Regionalregierung schätzt sie auf bis zu 8.000 – zusätzlich zu den rund 1.500 bereits registrierten Minderjährigen. Die Zentralregierung in Madrid sprach am Freitag hingegen von rund 5.000 Menschen.

Auch unter den Ankömmlingen wächst die Anspannung. Am Mittwoch kam es zwischen mehreren Dutzend Migranten bei einer Lebensmittelvergabe zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Polizei musste mit Schlagstöcken und Tränengas einschreiten. In der Nacht auf Donnerstag griffen dann rund 30 bis 40 junge Marokkaner, die sich weigern, das spanische Gebiet zu verlassen, einen Militärwagen mit Steinen und Stöcken an. Vier Soldaten wurden leicht verletzt, zwölf Menschen festgenommen.

Nach Recherchen der Zeitung ABC ermittelt die spanische Polizei gegen mehrere marokkanische Radikale, die im Zuge der Massenankunft nach Ceuta gelangt sein sollen und in sozialen Netzwerken zu Gewalt aufrufen. Ihr Ziel sei es, den Druck auf die Bevölkerung aufrechtzuerhalten und weitere Landsleute zur Überquerung der Grenze zu bewegen.

Verfahren beschleunigen

Die Zentralregierung in Madrid versucht nun, bei Rückführungen und Asylverfahren aufs Tempo zu drücken. Im provisorischen Aufnahmezentrum (CATE) wurden zusätzliche polizeiliche Arbeitsstellen eingerichtet. Bisher erfolgten Identifizierung und Registrierung vor allem im Polizeipräsidium und am Grenzübergang zu Marokko, wobei Minderjährige Vorrang hatten. Dennoch sei weiter Geduld nötig, betonte zuletzt auch Ángel Víctor Torres, Leiter des neuen zentralen Krisengremiums. Internationale Verträge und spanische Gerichtsurteile untersagen Kollektivabschiebungen und schreiben eine Einzelfallprüfung vor.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska kündigte zudem an, die Grenzanlagen Ceutas auszubauen. Zugleich versuchte er, die Lage verbal zu entschärfen. Im Abgeordnetenhaus in Madrid rief er am Freitag „zur Besonnenheit und zu einem Ende jeglicher Gewalt“ auf. Besonders scharf verurteilte er rechtsextreme Gruppen, die davon sprächen, „Migranten zu jagen“ und die …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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