
Zugegeben, man war skeptisch: „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart im Westentaschenformat, in nur etwas mehr als 120 Minuten und noch dazu mit einem nur zehnköpfigen Ensemble als „Orchester“, geht das überhaupt? Und vor allem: Wie klingt das?
Dass es doch funktioniert, davon konnte man sich schon im Rahmen des im vorigen Jahr neugegründeten Heunburger Musiktheaters, wo man mit „Don Giovanni“ Erfolge einheimste, überzeugen.
Auch der diesjährige „Figaro“ ist wieder ein Herzensprojekt für dessen Gründerin und künstlerische Leiterin Johanna Kräuter, gebürtige Haimburgerin und direkt unter der Burg aufgewachsen. Veit-Jacob Walter hat aus der Oper eine komprimierte Fassung ohne Rezitative, aber mit verbindenden Texten, geschaffen und ist auch für die konventionelle Inszenierung verantwortlich.
Publikumsnah
Gespielt wird sehr publikumsnahe mit großer Vitalität, tempo- und ideenreich. Dafür eignet sich das 900 Jahre alte Gemäuer der Heunburg ideal, in dem seit der Renovierung bis jetzt eigentlich hauptsächlich Sprechtheater gespielt wurde. Für die vergnügliche Realisierung genügt eine minimalistische Bühnenästhetik mit drei Sesseln und einer Kleiderkiste. Irritierend ist jedoch die seltsame Mixtur von italienischer und deutscher Sprache bei den Gesangsnummern, die bei den Ensembles oft gleichzeitig verwendet werden.
Das Gesangsensemble agiert sehr spielfreudig: Markant hört man Thomas Tatzl als präsenten und warm singenden Graf Almaviva. Glasklar, aber mit etwas zu viel Vibrato singt Johanna Koci die Gräfin. Bezaubernd und mit wunderbarem Mezzo agiert Johanna Zachhuber als ungemein komischer Cherubino. Ein Höhepunkt ist der sportliche Figaro des Ivo Kovrigar, der mit kernigem Bariton ausgezeichnet singt. Er reüssiert auch schauspielerisch. Johanna Maria Kräuter ist seine etwas leichtstimmige Susanna. Sehr gut Verena Kunz als Marzellina. Ideal auch der Basilio/Don Curzio des David Jagodic, markant und im Kärntner Dialekt sprechend auch der Bartolo/Antonio des Gregor Einspieler.
Auf den Chor hat man verzichtet. Dem zehnköpfigen Ensemble unter dem präzisen Laszlo Gyüker am Pult fehlt es, vor allem bei den dramatischen Stellen naturgemäß an Klangvolumen. Es sind aber viele packende wie auch sensible Momente zu erleben. Das klatschfreudige Publikum spendete stehende Ovationen.
Source:: Kurier.at – Kultur



