
Wie viele andere Experten erwartet auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayer steigende Energiepreise wegen der Konflikte im Nahen Osten. Bei der Jahresinflation, die das Institut zuletzt mit 3 Prozent prognostizierte, gehe die Tendenz nach oben. Nach unten gehe es hingegen beim erwarteten Wirtschaftswachstum, das zuletzt vom Wifo für 2026 mit 0,9 Prozent erwartet wurde. Ähnlich wie die OeNB zuletzt werde man die Prognose absenken, so der Ökonom in der ORF-Pressestunde am Sonntag.
Die Nationalbank (OeNB) hatte ihren Vorausblick erst am Freitag von einem 0,6-Prozent-Plus auf 0,5 Prozent gesenkt. Dafür senkte sie die Inflationsprognose von 3,2 auf 3,0 Prozent.
Felbermayer erwartet hingegen eine steigende Teuerung. Das Wifo und das IHS erwarteten zuletzt 3,0 bzw. 3,2 Prozent fürs Gesamtjahr, „seither hat sich die Lage aber zugespitzt und wird im Jahresverlauf sicher über dieses Niveau gelangen“, sagte der Wifo-Direktor nun. Einer der großen Mitgründe dafür sei, dass die Strompreise immer noch an den Gaspreis gekoppelt seien, was endlich geändert gehöre.
Immer wieder Kritik am Merit-Order-Prinzip
Hier dreht sich die Debatte für Beobachter im Kreis, denn schon bei den letzten Energiepreisausschlägen war immer wieder das Merit-Order-Prinzip und Änderungen derer Thema. Geändert hat sich bisher nichts. In Österreich wird nämlich etwa die Hälfte der Strom-Jahresstunden durch den Gaspreis festgelegt, weil irgendwo Gaskraftwerke laufen und die Preise setzen.
„Kein gutes Regime für uns“
„Das ist für uns kein gutes Regime“, bekräftigte der Ökonom zur Merit Order. „Ausflüge des Gaspreises nach oben müssen vom Strompreis abgekoppelt werden.“ Zuletzt stieg der Gaspreis für die Megawattstunde wie ausführlich berichtet wieder auf gut 80 Euro. Gewinne im Nachhinein abzuschöpfen wie es der Fall war, sei „weder elegant noch wirtschaftspolitisch smart“.
Gegen Margeneingriff bei Energiekonzernen, um Preis an Zapfsäule zu senken
Die vielen „kleinen Maßnahmen“ wie die Spritpreisbremse und die Mehrwertsteuersenkung auf viele Grundnahrungsmittel leisteten einen Beitrag zur Dämpfung der Teuerung, könnten diese aber keinesfalls Richtung gewünschter zwei Prozent drücken. Einmal mehr sprach sich Felbermayer gegen Margeneingriffe bei den Mineralölkonzernen aus. Unter anderen Punkten argumentiert er mit der Versorgungssicherheit, weil die internationalen Anbieter einfach woanders verkaufen könnten, wo es keine Eingriffe gibt.
Freilich könne man die CO2-Abgabe wie von den Freiheitlichen gefordert senken oder aussetzen, um die Preise an den Zapfsäulen zu drücken. Dann müsse man aber dazusagen, wie man das im angespannten Budget darstellen wolle.
Gasspeicher zu 67 Prozent gefüllt
Wegen des Konflikts im Nahen Osten und resultierender Beeinträchtigungen beim Öl- und Gas-Export hat die FPÖ unterdessen von Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) die Einberufung des Energielenkungsbeirats. Er müsse „für Klarheit sorgen, wie Österreich durch den Winter kommt“, so der freiheitliche Energiesprecher Paul Hammer am Sonntag in einer Aussendung. Experten sahen die Versorgungssicherheit zuletzt allerdings gegeben. Die Gasspeicher in Österreich sind derzeit zu 67 Prozent voll. Felbermayer betonte zum Füllstand, dass es schwierig gewesen sei, angesichts der Preisentwicklung mehr einzuspeichern. Die heimischen Speicher seien im Europavergleich aber gut befüllt.
Source:: Kurier.at – Politik



