
Frau Schultz, Sie haben eine harte Zeit hinter sich nach den Abgängen von Harald Mahrer und Walter Ruck. Nun haben Sie ein Sparpaket geschnürt. Wird das reichen?
Schultz: Mir war klar, dass wir uns zukunftsfit und schlanker aufstellen müssen. Wichtig ist, die Beiträge unserer Mitglieder ab 2030 um 100 Millionen Euro verringern zu können.
Die Arbeiterkammer steht imagemäßig zwar besser da, aber spüren auch Sie den Gegenwind, Frau Anderl?
Anderl: Den spüren wir nicht erst seit gestern. Wir haben unsere Leistungen massiv ausgebaut und zum Beispiel eine Digitalisierungsoffensive gemacht, um Betriebe und Beschäftigte zu unterstützen. Wir bieten Service fast rund um die Uhr. Diesen Weg wollen wir weitergehen.
Um die Einnahmen müssen Sie sich nicht sorgen, die sprudeln automatisch.
Anderl: Aber auch unsere Ausgaben sprudeln.
Warum können Sie nicht wie die WKO auch sparen?
Anderl: Wir wollen keine einzige Bildungseinrichtung einsparen und bauen jetzt gerade das Haus der Jugend. Das wird viel Geld kosten. Außerdem haben wir voriges Jahr 948 Millionen Euro für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erstritten – unter anderem, indem wir viele Prozesse geführt haben. Das kostet Geld.
Sepp Schellhorn, Staatssekretär für Entbürokratisierung, kritisiert beide Kammern sehr hart. Er findet, sie könnten Rücklagen auflösen und reformwilliger sein.
Schultz: Wir unterstützen unsere Mitglieder – und die leiden besonders unter der überbordenden Bürokratie. Deshalb haben wir Schellhorn über 100 Vorschläge geliefert – bis dato sind aber nur rund zehn unternehmensrelevante Maßnahmen umgesetzt. Um in der Gastro-Sprache zu bleiben – und wir kommen ja beide aus der gleichen Branche: Das kann maximal ein Gruß aus der Küche gewesen sein. Es wär nicht schlecht, wenn er mal wenigstens bis zur Vorspeise käme. Mehr als die Hälfte der WKO-Rücklagen sind fix gebunden. Wir sind der größte Anbieter von Erwachsenenbildung. Auch die Tourismusschule Modul gehört zu uns. Im Rahmen der Reform schauen wir uns aber gerade an, welche Rücklagen auflösbar wären.
Schellhorn kritisiert „Gulaschsuppentests“ der Arbeiterkammer auf Skihütten.
Anderl: Uns geht es um Konsumentenschutz, ein wachsender Teil unserer Beratung. Viele durchschauen nicht mehr, ob etwas Fake ist, etwa von einer Bank. Ich lade den Herrn Staatssekretär gerne zu uns ein, um ihm darzulegen, was die Arbeiterkammer macht. Neos-Vertreter sitzen ja auch in unserer Vollversammlung.
Sind neun Länderkammern nicht antiquiert?
Anderl: Sind neun Bundesländer antiquiert? Oberösterreich ist Industrieland, Tirol ein Tourismusland. Da gibt es jeweils andere Herausforderungen.
Schultz: Es ist wichtig, vor Ort bei den Mitgliedern zu sein. Was aber nicht heißt, dass man alles neun Mal plus eins machen muss. Wir bündeln daher verstärkt in Kompetenzzentren.
Auch wenn die Kammern überparteilich organisiert sind, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die WKO eine Vorfeldorganisation der ÖVP und die AK eine der SPÖ ist – samt gut bezahlter Jobs und Pensionsprivilegien der Funktionäre.
Anderl: Es gibt keine Pensionsprivilegien mehr – das betrifft nur noch jene, die bereits im wohlverdienten Ruhestand sind. In sieben Bundesländern ist in der Arbeiterkammer jeweils jemand von der Sozialdemokratie an der Spitze – gewählt von den Mitgliedern. In der Wiener Vollversammlung sitzen – inklusive vieler kleiner Listen – 16 Fraktionen.
Schultz: Pensionszuschüsse gibt es schon lange nicht mehr. Wir sind demokratisch gewählt. Ich habe zwei Hüte auf …read more
Source:: Kurier.at – Politik



