Blümel und Strolz: Hat KI ein Bewusstsein?

Politik

KURIER: Ehe wir in medias res und zu Ihren Büchern gehen: Womit verdienen Gernot Blümel und Matthias Strolz ihr Geld, seit sie der Politik den Rücken gekehrt haben?

Matthias Strolz: Ich bin Unternehmer, Co-Gründer und Geschäftsführer von Triqbriq AT. Wir produzieren multimodulare Vollholzziegel. Damit verdienen wir allerdings noch kein Geld, weil wir erst am Investieren sind. Ich bin auch als Speaker tätig und habe eine Personenfirma, mit der ich Organisationsentwicklung und Coaching anbiete. Also erwerbsmäßig: Patchwork.

Gernot Blümel: Ich bin Geschäftsführer des Mare Technologieparks. Die Vision ist, einen kooperativen Forschungspark für den Bereich KI und digitale Medizin am Lido von Venedig zu errichten. Es geht um die Frage, wie man mit KI und vorhandenen medizinischen Daten noch mehr Leben retten kann.

Wir sind alle alt genug, um mit Brockhaus oder Meyers Lexikon aufgewachsen zu sein. Wo schlagen Sie heute nach?

Blümel: Bis jetzt habe ich mich noch nicht alt gefühlt. Du, Matthias? Aber ich kann mich noch an meine erste Seminararbeit an der Uni Wien erinnern. Da musste ich in den Zettelkatalograum gehen und in verschiedenen Laden Hunderte Zettel durchschauen. Dann hat man die Bücher ausgeliehen. Irgendwann kam Google, da ging das Recherchieren schon leichter, und dann wurden viele Bücher faksimiliert. Mittlerweile macht man Deep Research mit der KI seiner Wahl.

Strolz: Für die Recherche nutze ich immer gerne KI und dann, wenn es geht, ein Buch zum Doublecheck – meist auch online –, weil die KI ja auch halluzinieren kann. „Homo Universus“ ist mittlerweile mein 20. Buch, das ich geschrieben, mitgeschrieben oder herausgebracht habe – und für das ich natürlich auch mit KI recherchiert habe.

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KI-Kenner und Journalisten wie Fritz Espenlaub sagen, mit dem Zugänglichmachen Künstlicher Intelligenz für jedermann durch Large Language Models wie ChatGPT & Co. sei die Menschheit dem größten Experiment ihrer Geschichte ausgeliefert …

Strolz: … ja, das ist die Domestizierung des Feuers. Das ist nicht wie die Erfindung des Laptops. Das ist riesig, weil es zu einem Oppenheimer-Moment kommen kann. Also wie bei der Atombombe, als man bei einer Entwicklungsversuchsanlage nicht wusste: Gibt es eine Kettenreaktion, die alles – und uns – auslöscht? Dieses Szenario ist bei KI denkbar. Es wartet jedenfalls ein Hiroshima-Moment auf uns. Ein accident waiting to happen. Warum? Weil wir nicht willens und fähig sind, uns Regeln zu geben. Wir haben das bei der Nuklearenergie erst nach dem Abwurf von zwei Atombomben geschafft, mit 100.000 Toten und 200.000 Toten im Nachgang. Erst dann hat sich die Menschheitsgesellschaft entschlossen: Wir hocken uns zusammen und machen Regeln aus. Offensichtlich brauchen wir grobe Schadensfälle. Genau so etwas erwartet uns bei der KI, befürchte ich – neben vielen Wohltaten. Ich bin kein Apologet, aber ich sehe Licht und Schatten.

Muss jemand die Stopp-Taste drücken? Brauchen wir ein Moratorium, wie es vielfach verlangt wird?

Blümel: Ich finde auch, dass der Vergleich mit der Art und Weise, wie die Menschheit die Atomkraft domestizieren lernen musste, ein passender ist. Ich hielte es für sehr wichtig, dass man sich global auf Fortschrittsmoratorien oder Kontrollen einigt. Ich würde es nur vielleicht ein bisschen weniger dystopisch sehen, weil für mich …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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