50 Jahre Shoppingcenter: Warum sich die Konsumtempel verändern müssen

Wirtschaft

Es war ein Angriff auf die gewohnte Einkaufswelt. Als im September 1976 die Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf ihre Tore öffnete, war das Konzept eines Einkaufszentrums nach dem US-amerikanischen Vorbild einer sogenannten „Mall“ hierzulande neu. Zahlreiche Händler, Gastronomen und Dienstleister an einem Ort, dazu riesige Parkflächen: Der Wiener Textilfabrikant Hans Dujsik erschuf eine Einkaufsstadt auf der grünen Wiese.

„Damals war der Aufschrei groß, weil es so etwas noch nicht gab“, sagt Handelsexpertin Cordula Cerha. Niemand habe gewusst, welche Folgen das für die umliegenden Städte und Einkaufsstraßen haben würde. Trotz der Kritik sollte die SCS nicht das einzige Shoppingcenter bleiben. Vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren erlebten die Konsumtempel einen regelrechten Boom.

Ortskerne bekamen die neue Konkurrenz zu spüren

Ihr Aufstieg veränderte den Handel. Klassische Fachhändler in Ortskernen bekamen die neue Konkurrenz zu spüren. Direkt angrenzende Gemeinden profitieren teilweise durch Abgaben von den Einkaufszentren. „Probleme haben eher die Gemeinden, die weiter weg sind. Von ihnen wird Kaufkraft abgezogen“, sagt Cerha. Viele Städte versuchten daher ihre Ortskerne etwa durch Fußgängerzonen attraktiver zu machen.

Dabei sind nicht allein Shoppingcenter schuld an leeren Innenstädten. Sogenannte Fachmarktzentren – eine Kombination aus Supermärkten, Drogerien und anderen Nahversorgern am Stadtrand – hätten Einkaufsstraßen stärker geschadet als Einkaufszentren. „Fachmarktzentren haben eine Nahversorgungsfunktion übernommen, während die Mall stärker zum Ort der Freizeitgestaltung wurde. Da muss man differenzieren zwischen Versorgung und Shopping.“

Shopping allein reicht mittlerweile nicht mehr aus

Die Shoppingcenter-Betreiber erkannten in den 1990er-Jahren, dass eine Ansammlung von Geschäften allein nicht ausreicht. Das Ziel: Kunden sollen länger bleiben. In der SCS kam zuerst ein Kino, dann weitere Freizeitangebote hinzu. Der Anteil der Gastronomie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht. Gleichzeitig verlor die Mode an Bedeutung: Vor 20 Jahren beanspruchte sie noch fast die Hälfte der Flächen, heute sind es in der SCS und vielen anderen Einkaufszentren 30 Prozent.

  Vorsichtige Erholung: Man hat gelernt, mit Unsicherheiten umzugehen

Shoppingcenter wurden zu Erlebniswelten – eine Entwicklung, die auch den übrigen stationären Handel erfasst hat. Denn das sei es, was heutzutage ein gutes Einkaufserlebnis ausmache, bestätigt auch Handels-Zukunftsforscherin Theresa Schleicher. Besondere Sortimente seien ein Differenzierungsmerkmal. Es gehe darum, Produkte vor Ort „anfassen, ausprobieren und unmittelbar erleben“ zu können.

Aufstieg des Onlinehandels gefährdet die Shoppingcenter

Das wurde vor allem in den vergangenen paar Jahren wichtiger, in denen die digitale Konkurrenz immer mehr Marktanteile gewann. Mit dem Aufstieg des Onlinehandels wurde das Ende der Shoppingcenter prophezeit. Einige kleinere Zentren mussten tatsächlich schließen, viele große Malls behaupteten sich aber. „Die Shoppingcenter sind nicht tot, aber sie müssen sich weiterentwickeln – und zwar mit den Bedürfnissen der Konsumenten mit“, sagt Cerha.

Einen Vorteil gegenüber Einkaufsstraßen sieht sie im gemeinsamen Management. Entscheidungen können schneller getroffen werden, zudem profitieren Händler voneinander. Das führt zu geringerem Leerstand. In der SCS stehen drei Prozent der Shops leer. Zum Vergleich: Auf der Mariahilfer Straße sind es 6,5 Prozent.

Immer größere Geschäfte bringen Rekordumsätze

Das Erfolgsrezept der SCS laute „Qualität statt Quantität“, sagt Paul Douay, Zentraleuropa-Chef von Unibail-Rodamco-Westfield. „Wir setzen seit Jahren auf weniger, dafür größere Geschäfte.“ Die Coronazeit habe allen Shoppingzentren zugesetzt. In der SCS habe man 2023 wieder das Niveau von 2019 erreicht, und 2025 sogar einen neuen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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