Heftiger Streit: Warum Österreich genug Strom, aber zu wenige Speicher hat

Politik

Am Strommarkt steht die nächste Revolution vor der Tür – große Batteriespeicher. Dass es sie bisher kaum gibt, hat drei Gründe: Batterien waren teuer und sind erst in den vergangenen Jahren drastisch billiger geworden. Österreich hat mit seinen Pumpspeichern zumindest im Westen ohnehin viel Speicherkapazität. Und es fehlen die Regeln und Tarife, damit sich die Installation dieser Batteriespeicher überhaupt rechnet.

Anfang des Jahres hat die Regulierungsbehörde E-Control eine Grundsatzverordnung für die Netzgebühren vorgelegt, die ab 1. Jänner 2027 gelten soll. In der Branche stößt sie auf großen Widerstand. Sollte die E-Control das Regelwerk nicht ändern, würden kaum große Batteriespeicher gebaut, sagt Christoph Schmidt, Präsident des im April gegründeten Bundesverbands Energiespeicher Österreich, zum KURIER. 

Zum Schaden der Bürger fürchtet Schmidt: Richtig eingesetzt, könnten Batterien jeden Haushalt um bis zu 200 Euro entlasten, Gaskraftwerke würden seltener gebraucht, der Netzausbau könnte geringer ausfallen.

Vorteil von Speichern

Erneuerbare Stromerzeugung ist wetterabhängig: Solaranlagen liefern nur, wenn die Sonne scheint, dann aber alle gleichzeitig und enorm viel. Beim Wind ist es ähnlich. Der Verbrauch folgt einem anderen Rhythmus: Die Spitzen liegen morgens und abends, zu Mittag liefert die Sonne mehr, als gebraucht wird. Energiespeicher sollen diese Überschüsse aufnehmen und abends wieder abgeben. Das Geschäftsmodell ist einfach: Wenn Sonne und Wind das Stromnetz fluten, fällt der Preis, dann laden die Batterien. Wenn der Bedarf groß ist, steigt er, dann verkaufen sie den Strom.

Wie groß diese Spanne ist, zeigt ein gewöhnlicher Montag. Am 3. August 2026 lieferten die Solaranlagen zu Mittag laut Netzbetreiber APG rund 4.500 Megawatt, fast zwei Drittel des gesamten Verbrauchs, und der Börsenpreis fiel auf 60 Euro pro Megawattstunde. Um 20 Uhr kostete dieselbe Megawattstunde 253 Euro. Die Lücke füllten Pumpspeicher und Gaskraftwerke; nachts kam rund ein Drittel des Stroms aus dem Ausland. Die Pumpspeicher stehen allerdings im Westen, der Überschuss entsteht im Osten, wo die Leitungen an sonnigen Tagen voll sind.

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Woran es hängt

Der Knackpunkt sind die Netzgebühren. Bisher zahlt eine Batterie sie zweimal: beim Laden wie ein Verbraucher, beim Einspeisen wie ein Kraftwerk. Wie viel davon bleibt, entscheidet über das Geschäft. Das zeigt eine Analyse der Beratung FinGreen um den früheren oekostrom-Vorstand Lukas Stühlinger, erstellt für die IG Windkraft und PV Austria: Bei vollen Netzgebühren rechnet sich keine der fünf durchgerechneten Batterien. Bei einem 75-Prozent-Rabatt ist ein Betrieb „eventuell möglich“, aber kaum ein Entwickler werde dieses Risiko eingehen. Wirtschaftlich sind Speicher nur, wenn sie beim Laden gar nichts zahlen.

Genau das sieht das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz für „systemdienliche“ Speicher vor, 20 Jahre lang. Die E-Control hat nun festgelegt, wer das ist: nur Speicher an bestimmten Netzknoten, gedeckelt auf fünf Gigawatt und nur bis 2030. Alle anderen bekommen laut Verband einen Rabatt, wenn sie sich beim Laden täglich für einige Stunden abschalten lassen – ein Modell, das einst für Nachtspeicherheizungen im vorigen Jahrhundert erfunden wurde.

E-Control-Vorstand Alfons Haber sagte im Juli, die Rückmeldungen zum Entwurf seien großteils positiv gewesen. Befreit werden solle nur, wer dem System nachweislich nützt; die Netzkosten müsse am Ende jemand tragen. Widerspruch kommt auch von der Arbeiterkammer: Jede Entgeltbefreiung für Speicher müsse von den übrigen Netzkunden mitgezahlt werden …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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