Léa Seydoux in Familiendrama um Pädophilie: „Wie soll man damit umgehen?“

Kultur

„Du kannst ihn doch unmöglich lieben?“, fragt Catherine Deneuve ihre Filmtochter Lucy. „So viel ich weiß, gibt es keinen Ausschaltknopf“, antwortet Lucy, gespielt von Léa Seydoux.

Für Lucy ist gerade die Welt zusammen gebrochen. Der Mann, mit dem sie verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, steht unter Verdacht der Pädophilie. Was hat er getan? Kennt sie ihn überhaupt? Kann sie ihn noch lieben? Verzweifelt flüchtet sie zu ihrer Mutter. Die rät ihr, sich zu übergeben: „Das reinigt.“

Catherine Deneuve und Léa Seydoux – zwei Generationen großer französischer Schauspielkunst – treten erstmals gemeinsam in einem Film auf. Gelungen ist diese glamouröse Verbindung der österreichischen Regisseurin Marie Kreutzer für ihr packendes Drama „Gentle Monster“ (derzeit im Kino).

„Es war immer ein Traum von mir, mit Catherine Deneuve zusammenzuarbeiten“, sagt Léa Seydoux im KURIER-Gespräch: „Es war großartig.“

Doch so traumhaft die Zusammenarbeit, so albtraumartig der Filmstoff: Lucy ist mit ihrem österreichischen Mann Philip, gespielt vom künftigen „Tatort“-Kommissar Laurence Rupp, und dem gemeinsamen Kind in ein Haus nahe der bayerischen Grenze gezogen. Die Kleinfamilie wirkt glücklich – so lange, bis plötzlich die Münchner Kripo vor der Tür steht und Philip abführt.

Léa Seydoux ist eine wahre Meisterin darin, widerstreitende Gefühle in ihrer Prozessartigkeit zu visualisieren: Man kann ihr förmlich dabei zusehen, wie ihre Emotionen – von Verleugnung bis Verzweiflung – in Schockwellen über ihr Gesicht laufen.

Verleugnung und Scham

„Das Thema des Films hat mich sehr bewegt, vielleicht umso mehr, weil ich auch Mutter bin“, sagt die Französin, dem großen Publikum als Partnerin von Daniel Craigs James Bond in den Filmen „Spectre“ und „Keine Zeit zu sterben“ bekannt: „Lucy durchlebt sehr widersprüchliche Gefühle. Sie muss sich damit auseinandersetzen, dass sie ihren Mann liebt. Sie will glauben, dass er nichts getan hat. Sie leugnet die Realität. Sie schämt sich. Sie ist isoliert. All diese unterschiedlichen Empfindungen machen Lucy interessant. Denn es geht nicht nur darum, den Mann für das, was er getan hat, anzuklagen. Es geht auch darum, das Chaos zu sehen, das sie durchläuft.“

  „Ronja Räubertochter“ an der Volksoper: Die Eltern müssen noch viel lernen

Regisseurin Marie Kreutzer hat wiederholt betont, die Idee zu „Gentle Monster“ schon mit sich getragen zu haben, bevor der Skandal rund um ihr hochgelobtes „Sisi“-Porträt „Corsage“ losbrach. Florian Teichtmeister, der in „Corsage“ Kaiser Franz Joseph verkörperte, musste sich wegen des Besitzes von kinderpornografischen Darstellungen vor Gericht verantworten.

Es scheint wie bittere Ironie, dass das Erscheinen von „Gentle Monster“ nun von schweren Vorwürfen wegen Kindesmissbrauchs gegen den Kabarettisten Günther Paal, besser bekannt als Gunkl, begleitet wird, und die akute thematische Relevanz ihres Films bestätigt.

Gute Stimmung am Set

Léa Seydoux spricht in höchsten Tönen von ihrer Zusammenarbeit mit Marie Kreutzer, wiewohl sie auch unterschiedliche Temperaturen im Temperament einräumt. Die Regisseurin wäre immer darum bemüht gewesen, trotz schwerer Thematik am Set für gute Stimmung zu sorgen. Sie, Léa, aber habe den Schmerz ihrer Figur durchlitten und „sich dafür emotional die Pulsadern aufgeschlitzt“.

An dieser Stelle ihrer dramatischen Schilderung muss sie ein bisschen lachen.

Und natürlich möchte man als Schauspielerin die Figur, die man verkörpert, lieben, so Seydoux weiter. Bei Lucy wäre ihr das leicht gefallen, denn sie hätte sofort Mitgefühl mit ihr gehabt: „Was …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.