Warum Österreichs Pressing gegen Israel noch nicht gut war

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Pressing und Gegenpressing sollen zu den Kernkompetenzen dieses ÖFB-Teams gehören. Bei der WM war davon nicht genug zu sehen. Österreich brauchte durchschnittlich rund 21 Sekunden, um nach einem Ballverlust wieder Ballbesitz herzustellen. Unter 48 Teilnehmern bedeutete das nur Rang 43. Spanien benötigte elf Sekunden und setzte damit den Maßstab.

Nach dem 3:1 gegen Israel zog Ralf Rangnick ein positives Fazit: „Gegen den Ball haben wir klar besser gespielt, nicht auf höchstem Niveau, aber mit dem Energielevel war ich zufrieden.“

Der beste Spielmacher

Jürgen Klopp hat das Gegenpressing einmal den „besten Spielmacher“ genannt. Das klingt widersprüchlich, trifft die Sache aber exakt.

Wer den Ball gleich nach dem Verlust zurückgewinnt, erwischt einen Gegner, der gerade selbst umschalten wollte. Seine Ordnung fehlt, die Abstände sind groß, der Weg zum Tor ist kurz. Oft schafft ein Ballgewinn mehr Gefahr als der schönste Pass.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pressing und Gegenpressing? Beim Pressing wird ein Gegner attackiert, der den Ball bereits kontrolliert. Gegenpressing beginnt in jenem Moment, in dem die eigene Mannschaft den Ball verliert.

Dabei müssen drei Dinge zugleich passieren: Der ballnächste Spieler attackiert den Ballführer. Die Spieler in Ballnähe schließen Räume und Passwege, sodass sich ein Netz um den Ball bildet und der Gegner sich nicht befreien kann. Dahinter sichert die Restverteidigung ab.

Die Acht-Sekunden-Regel

Ralf Rangnick hat seiner Idee ein Zeitfenster gegeben. In den ersten acht Sekunden nach dem Ballverlust sei die Chance am größten, den Ball zurückzuholen. Gelingt das, soll innerhalb der nächsten zehn Sekunden ein Torabschluss folgen.

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Ich habe die Ballverluste des ÖFB-Teams gegen Israel untersucht. Wo stand die Mannschaft acht Sekunden später? Hatte Österreich den Ball zurückgewonnen, Israels Umschaltversuch neutralisiert oder nur durch ein Foul unterbrochen? Oder war Israel der ersten Druckwelle entkommen und konnte einen Gegenangriff starten?

Ausgewertet wurde nur bis zu Israels Gelb-Roter Karte. In Überzahl war es ein anderes Spiel und für das Gegenpressing leichter. Die Zahlen dämpfen Rangnicks positives Fazit.

Bei 18 Ballverlusten gelang es nur dreimal, den Ball innerhalb von acht Sekunden zurückzuholen. Zwölfmal entkam Israel der ersten Druckwelle. Rangnick hatte trotzdem recht, als er von mehr Energie sprach. In 13 Szenen wurde Israels Ballführer sofort attackiert. Österreich war bereit, den ersten Weg zu machen – jedoch machte die Mannschaft den zweiten zu selten.

Druck ja, Zugriff nein

Nur dreimal schlossen die Spieler konsequent die Räume. Oft lief nur einer an, während Israel rund um den Ball eine freie Anspielstation fand. Der Druck war sichtbar, der gemeinsame Zugriff fehlte.

In 15 messbaren Szenen dauerte es nach einem Ballverlust im Schnitt 27 Sekunden, bis Österreich den Ball wieder kontrollierte. Auch Klopps „bester Spielmacher“ entfaltete keine Wirkung: Aus den drei schnellen Rückeroberungen entstand innerhalb der folgenden zehn Sekunden kein Abschluss.

Hat es also gescheppert? Beim ersten Anlaufen durchaus. Im Kollektiv zu selten.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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