Patrick Budgen: „Ich führe niemanden aufs Glatteis“

Kultur

Eine Krebserkrankung brachte ihn zum Schreiben – und veränderte Patrick Budgens Leben in jeder Hinsicht.

KURIER: Vater Engländer, Mutter Halbfranzösin – wie oft fragt man Sie, wie man Ihren Namen ausspricht?

Patrick Budgen: Je länger ich im Fernsehen bin, desto weniger oft. Mittlerweile hat sich die englische Aussprache herumgesprochen. Aber ich habe schon alles gehört.

Sie sind vor einem Jahr Barbara Karlich auf deren Sendeplatz nachgefolgt – mit ganz anderem Sendungskonzept. Wie war das?

Es waren riesige Fußstapfen, Barbara hat das 26 Jahre lang gemacht – eine Institution! Wir machen keine klassische Talk-Show, sondern fast ein bisschen einen Podcast mit Bildern, wo wir Menschen sehr persönlich kennenlernen. Ich bin sehr dankbar, wie gut das angenommen wird.

Sie schreiben auch Bücher. Ihr nächster Krimi heißt „Alte Meister. Der graue Panther-Coup“, und er beginnt mit dem Satz: „Vielleicht war ich in einem früheren Leben ein Weihnachtsbaum.“ Worum geht’s?

Es geht um Daniel Rosner, einen ehemaligen Buchhändler, der mit Mitte 60 beschließt, ins Altersheim zu gehen. Das Buch beginnt deshalb mit diesem Satz, weil er sich auch literarisch so gut darauf vorbereitet hat, „umgepflanzt“ zu werden – wie das einem Weihnachtsbaum passiert.

Beschäftigen Sie sich persönlich mit dem Alter?

Ich bin erst 43. Aber vor einigen Jahren war ich schwer krank, da beschäftigt man sich automatisch mit der Endlichkeit. Dadurch habe ich festgestellt, dass Altwerden das Schönste ist, das man sich vorstellen kann.

Wie kamen Sie dazu, Krimis zu schreiben?

Ich habe mit dem Buch über meine Krebserkrankung begonnen und dann ein Kurzgeschichtenbuch über lustige Begräbnispannen geschrieben: „Schluss mit lustig“. Eines Nachts dachte ich mir dann, dass ich auch einen Krimi über den Zentralfriedhof mit dem Bestatter als Ermittler schreiben könnte. Die erste Reaktion meines Verlegers war: „Patrick, lass das, es gibt so viele schlechte Krimis.“ Aber ich habe ihn überzeugt und es hat gut funktioniert.

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Wie sind Sie auf den Bestatter gekommen?

Ich war lange Zeit Reporter bei „Wien heute“ – und wurde eher zufällig der Spezialbeauftragte für Promi-Begräbnisse: von Peter Alexander bis Udo Jürgens. Da war immer der Bestatter Peter Holecek dabei, der mir zwischendurch immer so lustige Schmankerl erzählte, dass ich ihm vorschlug, ein Buch daraus zu machen. Nach seinem Pensionsantritt war er dazu bereit.

2020 haben Sie Lymphdrüsenkrebs bekommen, ausgerechnet während der Pandemie. Als Hochrisikopatient waren Sie da besonders einsam.

Zuerst habe ich mich total geärgert, nicht arbeiten zu können. Meine Kollegen wurden zwei Wochen im Büro eingesperrt und haben dort geschlafen. Das habe ich mir wahnsinnig abenteuerlich vorgestellt. Aber dann habe ich mir gesagt: Ich verpasse nichts. Die Welt isoliert sich mit mir.

War das Buch „Einsiedlerkrebs“ über diese Lebensphase eine Art Selbsttherapie?

Zuerst wusste nur mein engstes Umfeld davon. Ich habe mir schwergetan mit dem Satz: „Ich habe Krebs.“ Das kam mir wie ein Schuldeingeständnis vor – als hätte man etwas falsch gemacht. Das Schreiben hat als Selbsttherapie begonnen. Mein Arzt riet mir zur Veröffentlichung. Bis heute, sechs Jahre danach, bedanken sich Leute bei mir, weil ihnen das Buch geholfen habe. Jetzt bin ich offiziell geheilt.

Hat es Ihr Leben verändert?

Ja, es gibt den Patrick vor und nach der Krankheit. Man regt sich nicht …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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