
In einer Kriegssimulation des King’s Colleges in London greifen KI-Modelle in 95 Prozent der simulierten Konflikte zu taktischen Atomwaffen. Diese Ergebnisse werfen Fragen über die militärische Nutzung Künstlicher Intelligenz auf. Während die weltweiten Atomwaffenausgaben weiter steigen, warnen Friedensforscher vor den Risiken KI-gestützter Entscheidungen. Am Samstag begehen die Vereinten Nationen den Internationalen Tag für die vollständige Beseitigung von Atomwaffen.
Anlässlich des Aktionstags ruft UNO-Generalsekretär António Guterres in einer Aussendung die Atomwaffenstaaten dazu auf, ihren Abrüstungsverpflichtungen nachzukommen und sich zur vollständigen Beseitigung der Kernwaffen zu verpflichten. „Es ist an der Zeit, der Spaltung den Dialog vorzuziehen, Konfrontation mit Diplomatie zu begegnen und statt Zerstörung Abrüstung anzustreben“, erklärte Guterres.
Militärische Nutzung Künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz kann die Risiken einer nuklearen Eskalation erhöhen, so das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (SIPRI). KI-gestützte Entscheidungssysteme können große Mengen an Daten auswerten, Bedrohungen einschätzen und Handlungsempfehlungen erstellen. Dabei können der KI aber Fehler unterlaufen. Fehlerhafte oder schwer nachvollziehbare Ergebnisse können dabei unter Zeitdruck zu Fehlentscheidungen führen.
Wie schnell eine solche Fehleinschätzung eine militärische Krise auslösen kann, berichtete der US-amerikanische Nachrichtensender CNN am vergangenen Freitag. Ein KI-generierter US-Geheimdienstbericht soll fälschlicherweise Komponenten für Atomwaffen auf einem chinesischen Schiff verortet haben. US-Soldaten hätten sich demnach bereits auf eine Enterung vorbereitet, bevor der Fehler erkannt und der Einsatz abgebrochen worden sei. Der KI-Bot habe öffentlich zugängliche und Geheimdienstinformationen miteinander verknüpft und die Ladung des Schiffes falsch identifiziert. Die Informationen seien „komplett falsch“ gewesen und hätten „fast einen Krieg verursacht“, so CNN.
Im Juli warnte auch die „Römische Friedenserklärung“ vor den Risiken einer Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Atomwaffen. Das Abschlussdokument der Globalen Nobelpreisträgerversammlung wurde von Nobelpreisträgern, Religionsvertretern und Politikern unterzeichnet. In der Präambel heißt es: „Mitten in einem sich verschärfenden nuklearen Wettrüsten begeben wir uns auf einen ebenso gefährlichen KI-Wettlauf.“ Die Unterzeichner fordern unter anderem, den Einsatz von KI zur Autorisierung und autonomen Auslösung von Atomwaffen zu verhindern. „Keine Maschine“ dürfe Entscheidungen treffen, von denen das Überleben der Menschheit abhänge, sagte Kardinal Baldassare Reina bei der Vorstellung der Erklärung in Rom.
19-prozentiger Anstieg der Atomwaffenausgaben im letzten Jahr
Tatsächlich sind die Ausgaben für Atomwaffen im letzten Jahr weiter gestiegen. Nach Berechnungen der 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) haben die neun Atomwaffenstaaten – die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und vermeintlich Israel – im Jahr 2025 insgesamt rund 118,8 Milliarden Dollar für ihre Nukleararsenale ausgegeben. Das entspricht einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den größten Anteil hatten die USA mit 69,2 Milliarden Dollar, gefolgt von China mit 13,5 Milliarden und Großbritannien mit 12,6 Milliarden Dollar.
Der Anstieg ist Teil eines längerfristigen Trends: In den vergangenen fünf Jahren wurden laut ICAN insgesamt 471 Milliarden Dollar für Atomwaffen ausgegeben. Gleichzeitig planen die neun Atommächte, ihre Arsenale über Jahrzehnte zu erhalten und zu modernisieren. So sollen eben diese Staaten über Waffensysteme verfügen, die mindestens bis 2050 einsatzfähig bleiben sollen, teilweise sogar bis ins nächste Jahrhundert.
Doppelcharakter der IAEA
Acht der Atomwaffenstaaten sind Mitglieder der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Nordkoreas Mitgliedschaft ist seit 1994 ausgesetzt. Die IAEA wurde am 29. Juli 1957 gegründet – als die militärische …read more
Source:: Kurier.at – Politik



