
Häufig wird der Dachboden ausgebaut oder aufzustocken, um dort neuen Wohnraum zu schaffen. Dabei wird der Raum unter dem Dach Schritt für Schritt umgebaut: die bestehenden Sparren werden gedämmt, Dachfenster eingesetzt und Wände eingezogen. Doch es gibt auch einen anderen Weg: Den modularen Dachausbau. Diese Variante bietet sich an, wenn ohnehin saniert oder umgebaut wird. Bei einem aktuellen Projekt in der Glockengasse in Wien Leopoldstadt entstehen so neue Dachwohnungen.
Pilotprojekt in Wien
Es geht um das erste Projekt der Nuvio GmbH in Wien, ein österreichischer Anbieter, der sich auf den schlüsselfertigen Dachausbau spezialisiert hat. Die Dachmodule werden inklusive des kompletten Innenausbaus im Werk in Polen vom international tätigen Unternehmen Nuconic produziert und dann auf das Bestandsgebäude gehoben.
Für das Pilotprojekt in der Glockengasse werden insgesamt vier im Werk vorgefertigte Plug & Play Wohnmodule per Kran auf das Dach des bestehenden Jahrhundertwendehauses gehoben. Diese vier Module bilden zusammen die neuen Dachwohnungen – samt dem dazugehörigen Dach. In den Modulen sind verschiedene Räume untergebracht, zum Beispiel auch ein Balkon.
„Als Vorbereitung für die Installation der Module wurde das bestehende Satteldach abgetragen und im Vorfeld eine Verbunddecke, die Auflagepunkte der Module sowie die Verlängerung des Stiegenhauses hergestellt“, sagt Natalie Neubauer von Kenh Architekten ZT, die mit der Planung beauftragt wurden.
„Zudem wurden die haustechnischen Anschlusspunkte vorbereitet.“ Aktuell ist die Montage in vollem Gang. „Für uns war es das erste Projekt dieser Art“, erzählt die Architektin. Worin sich die Architektur von anderen Projekten unterscheidet? „Der Modulbau erfordert eine außergewöhnlich präzise Vorplanung: Anders als beim konventionellen Bauen müssen sämtliche Details – von Leitungsführungen bis zu Anschlüssen – bereits vor Produktionsbeginn vollständig durchgeplant sein.
Hinzu kommt die enge Abstimmung mit dem Hersteller schon in einer frühen Planungsphase sowie das sorgfältige Interface-Management zwischen den vorgefertigten Modulen und der Bestandsstruktur“, erklärt die Architektin.
„Aus unserer Sicht als Architekten überzeugt die hohe Fertigungsqualität unter kontrollierten Bedingungen: Witterungseinflüsse entfallen und Maßhaltigkeit sowie Ausführungsqualität sind besser steuerbar als auf einer ‘konventionellen’ Baustelle.“
Kurze Bauzeit vor Ort
Für Käufer sind vor allem die kurze Bauzeit vor Ort, die damit verbundene geringe Belästigung für Nachbarn und Bewohner sowie die hohe Kostensicherheit entscheidend. „Die Vorfertigung schafft Planbarkeit – was gerade bei Dachaufstockungen im bewohnten Bestand ein wesentlicher Faktor ist. Wir haben etwa sechs Monate mit dem Hersteller unsere Planung auf sein ‘System’ adaptiert. Die Produktionsdauer der Module betrug drei Monate“, so Neubauer zum zeitlichen Ablauf.
Das Stahlskelett der Module bildet den Rahmen, welcher anschließend im Werk mit Dämmschichten und Wandaufbauten versehen und schlüsselfertig ausgebaut wird. Die Einheiten werden inklusive Gebäudeausstattung wie Leitungen für Strom, Wasser und Heizung von Nuconic geliefert.
„Bei dem Projekt wog das schwerste Modul rund 20 Tonnen“, sagt Shmuel Pollak, Geschäftsführer der Nuvio GmbH, „und maß 12,8 mal 4,5 Meter.“ Der Modulbau von Nuconic erlaubt sehr große Räume ohne störende Stützen: Räume mit bis zu 130 m² sind möglich. Die konkreten Kosten hängen vom Projekt ab. Pollak beziffert diese mit 4.000 bis 6.000 Euro pro m², abhängig von der Projektgröße und dem Ausbaustandard.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



