Gibt es wirklich so wenige gute österreichische Intendanten?

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Sie haben sich in Ihren behördlichen Mitteilungen schon mehrfach mit den Salzburger Festspielen auseinandergesetzt. Ich nehme daher die jüngsten Besetzungen dort zum Anlass, Sie zu fragen, ob es denn tatsächlich keine Österreicher mehr für Spitzenfunktionen im Kulturbereich gibt? Ich kann das nicht glauben und beantrage bei Ihnen eine Quotenregelung für künftige Bestellungen. Die gibt es mittlerweile sogar für Frauen in Aufsichtsräten – warum also nicht auch für österreichische Kulturmanager? Und nur zur Klarstellung: Ich bin keine FPÖ-Wählerin.

Mit rot-weiß-roten Grüßen, Y. Ü.

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Sehr geehrte Y. Ü.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit gerne bestätigen (Geschäftszahl 28/2026), den abzulehnen wir uns jedoch gezwungen sehen. Das gleich aus mehreren Gründen: Erstens halten wir Gütesiegel à la AMA im Kulturbereich für heikel; zweitens sollten Spitzenjobs auch bei Theatern von der Qualifikation und nicht von der Nationalität abhängig gemacht werden; und drittens sind Österreicherinnen und Österreicher im Kunstmetier anderorts sehr erfolgreich.

Dies formuliert habend, stellt sich allerdings auch für uns die Frage: Ist es tatsächlich immer noch so, dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt? Offenbar. Wir haben jedenfalls keine plausible Erklärung dafür, dass an Österreichs großen Bundes- und Landesbühnen – abgesehen von drei (Wiener Staatsoper, Theater in der Josefstadt, Landestheater Tirol) – keine Landsleute intendierend tätig sind. Vom Theater an der Wien (Norwegen) bis zum Burgtheater (D), vom Landestheater in St. Pölten (D) bis Klagenfurt (D), von der Grazer Oper (D) bis zu jener am Wiener Gürtel (NL) und den Bregenzer Festspielen (Fin) – überall sitzen (teils verdienstvolle) Legionäre am Ruder. Konkret zu Salzburg: Die Bestellung der dortigen Intendanz (mit einem Belgier) haben wir aus Kompetenzgründen gut verstanden.

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Ganz grundsätzlich möchten wir betonen, dass uns Nationalismus auch im Kulturbereich fern liegt und wir nicht die MA 35 sind. Aber ebenso, dass die von Ihnen beobachteten Vorgänge durchaus auffällig erscheinen und sich auch für uns nicht erschließt, warum sich eine österreichische Bühnen-Identität mit internationalem Anspruch nicht öfter auch mit österreichischen Intendanten (und -innen) herstellen lassen sollte. Dies frei von chauvinistischen Gedanken, sondern in der Überzeugung, dass es hierzulande äußerst begabte Kultur-Manager gäbe. Ein Thema, von dem übrigens auch Künstler ein Lied singen können.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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