Neue ÖBB-Züge: Welchen Eindruck KISS und FLIRT machen

Wirtschaft

42 Hallen, 3.170 Aussteller, 170.000 Besucher und 113 unterschiedlichste Schienenfahrzeuge am Freigelände rundherum – die Dimensionen der Innotrans sind kaum fassbar. Alle zwei Jahre findet die weltgrößte Messe der Bahnindustrie in Berlin statt. Wer in der Branche etwas zu sagen hat, muss sich quasi dort blicken lassen. Österreich hatte 2026 eine deutlich sichtbare Präsenz. Die ÖBB war gleich mit mehreren neuen Zügen vertreten.

Bis zu 330 Züge sollen geliefert werden

Kurz nach seinem Geburtstag präsentierte ÖBB-Chef Andreas Matthä gemeinsam mit Verkehrsminister Peter Hanke zwei davon, die vom Schweizer Hersteller Stadler geliefert werden. Sie nennen sich KISS und FLIRT Akku. Der eine wird der erste zweistöckige Railjet für den Fernverkehr sein. Der andere ist ein Akkuzug, der sowohl auf elektrifizierten Regionalstrecken unterwegs sein kann, als auch auf solchen, die bisher mit Dieselzügen bedient wurden. Der Andrang bei der Vorstellung war groß.

„Es ist ein beeindruckender Auftritt, den wir mitgestalten können“, sagt Stadler-Austria-Geschäftsführer Christian Diewald. Die ÖBB und Stadler haben einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 330 KISS- und FLIRT-Zügen abgeschlossen. Heuer sollen bereits 84 Exemplare in Dienst gestellt werden. In Österreich drehe sich alles um Kapazität, sagt Diewald. Die Fahrgastzahlen der Bahn nehmen zu (von 2024 auf 2025 um 2,1 Prozent). Da kommen Doppelstockzüge gelegen.

Schöne Schnauze und Handyhalterung in Gesichtshöhe

Die ÖBB hat davon zwar schon welche, aber immer mit einer Lokomotive vorne dran. Mit dem KISS besitze sie nun erstmals einen Triebzug, bei dem die Antriebsleistung auf doppelt so viele Achsen auf der gesamten Zuglänge verteilt werde, erklärt Diewald. Die Westbahn setzt solche Züge schon länger ein. „Es war sicher eines ihrer Erfolgsrezepte. Dadurch war die Westbahn in der Lage, Verspätungen aufzuholen.“

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Andreas Matthä gefällt an dem Zug besonders dessen „Schnauze“: „Ein bissl Ästhetik gehört dazu.“ Fahrgästen bietet der KISS viel Platz, auch für Fahrräder, Leselichter, USB-C-Anschlüsse an jedem Sitzplatz sowie eine Handyhalterung in Gesichtshöhe. Diese simple, aber geniale Innovation findet sich auch im Regionalzug FLIRT. Seine eingebauten Batterien haben laut Stadler eine ausreichend hohe Kapazität, um „fast alle“ nicht elektrifizierten Strecken in Österreich zu bedienen.

Durch Akkuzüge spart man sich Oberleitungen

„Die Elektrifizierung von Strecken ist extrem kostspielig“, sagt Diewald. Mit Akkuzügen könne man sich die Investition ersparen. „Sie sind zwar teurer als normale Züge, aber die Mehrkosten stehen in keiner Relation zur Infrastruktur.“ Die Batterien lädt ein FLIRT entweder während der Fahrt auf Streckenabschnitten mit Oberleitung oder am Endbahnhof mit Strom aus dem Ortsnetz. Matthä erwartet sich „große Effizienz im Betrieb.“

Stadler baut den Standort Österreich stark aus

Für Stadler sind die rot angestrichenen Züge auf der Innotrans eine wertvolle Referenz. „Es ist wichtig, dass du so starke Player hast wie die ÖBB“, so Diewald. Stadler hat seine Geschäfte in Österreich in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. In Wien wurde ein Entwicklungszentrum gegründet, in dem 100 Ingenieure an internationalen Projekten arbeiten. Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Dürnrohr macht Stadler Typtestvorbereitungen und Kundenabnahmen. Bei der ehemaligen Zuckerfabrik in Leopoldsdorf wurde eine 225 Meter lange Halle für die Instandhaltung von Zügen errichtet.

Der Fokus liegt auf Innovation, weniger auf Tiefstpreisen

Auch bei der Zugproduktion in der Schweiz gibt …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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