Machtkampf Babler gegen Zeiler: Wie im falschen Film

Politik

Für eingefleischte SPÖ-Anhänger war es wohl ein eher bittersüßer Moment: Im Wiener Gartenbaukino ging Dienstagabend das Debüt von „Bruno – Der junge Kreisky“ über die Bühne. Eine Filmbiografie über jenen Genossen, der die Roten seinerzeit zu ihren größten Erfolgen geführt hat, während sich die Partei aktuell in ihrer wohl größten Krise befindet: Die Umfragen bei 15 Prozent, als Folge ein lähmender Machtkampf um die Führung der Partei.

Pikanterweise standen die Protagonisten des aktuellen Dramas auf der Gästeliste des Nostalgie-Abends: Parteichef Andreas Babler wie auch Gerhard Zeiler, der ihn aus dem Amt drängen will. Der Medienmanager hat die Produktion des Films mit einer Spende unterstützt. Erwartet wurde auch Ex-Parteichef Christian Kern, der schon im Frühjahr erfolglos versucht hatte, Babler zu stürzen.

Ob es wenige Monate später tatsächlich zum Showdown zwischen ihm und dem nunmehrigen Herausforderer Zeiler kommt, ist unterdessen weiter ungewiss. Auch an Tag fünf nach Bekanntgabe seiner Ambitionen auf den Parteivorsitz fehlten weiterhin öffentliche Unterstützungserklärungen maßgeblicher roter Funktionäre für Zeiler.

Am weitesten wagte sich noch Luca Burgstaller, Klubchef der SPÖ Kärnten, aus der Deckung. Für ihn sei Zeiler ein „international erfolgreicher Manager“ und als Person geeignet, „auch in der Politik Entscheidungen zu treffen“. Nun müsse man aber einen Prozess aufsetzen, um es sowohl Zeiler als auch allfälligen anderen Kandidaten zu ermöglichen, ihre Vorstellungen zu präsentieren.

Wie berichtet, hatte dies die SPÖ Kärnten bereits am Montag gefordert. Ebenso ein Treffen aller SPÖ-Landesparteichefs, um möglichst rasch Klarheit rund um die weitere Vorgehensweise zu schaffen. Ähnliches wünschen sich auch die steirischen Genossen. Wann es stattfindet, war Dienstagabend noch offen.

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Oberösterreich bremst

Was dem schwer angeschlagenen Babler doch noch den Kopf retten könnte: Eine gemeinsame Linie der Bundesländer ist derzeit nicht auszumachen. Während vor allem Kärnten und die Steiermark auf eine rasche Klärung drängen – etwa über die Spielregeln für den Wahlprozess – sieht Oberösterreichs Parteichef Martin Winkler keinen Grund für Eile. Es gebe intern viel zu besprechen, ein Treffen allein werde nicht reichen.

Zumal auch Uneinigkeit herrscht, ob tatsächlich Zeiler derjenige ist, der die Partei aus dem Tief führen kann. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hatte zuletzt seine ablehnende Haltung bekräftigt, auch aus Vorarlberg kamen am Montag sehr verhaltene Signale. Von Zeilers Vorhaben habe er bisher nur aus den Medien erfahren, so Parteichef Mario Leiter kühl. Er sei eingeladen, seine Ideen einzubringen. Das könne aber jeder, „man benötigt dafür keine Funktion“. Tirols Landesvorsitzender Philip Wohlgemuth wiederum plädiert entweder für einen außerordentlichen Bundesparteitag oder eine Mitgliederbefragung, bei der sich sowohl Zeiler als auch Parteichef Babler dem Votum der Parteibasis stellen.

Viele Genossen blicken nun auf Wien, Heimat der stärksten SPÖ-Landesorganisation. Bis dato war man nolens volens loyal zu Babler, mittlerweile dürfte hier ein Stimmungsumschwung eingesetzt haben. „Seit dem letzten Bundesparteitag vor sechs Monaten haben wir weitere vier Prozentpunkte in den Umfragen verloren, die Grünen drohen uns zu überholen“, sagt ein dortiger Genosse zum KURIER. Babler, der seinerzeit die Parteichefs Werner Faymann und Pamela Rendi-Wagner zum Rücktritt aufgefordert hatte, müsse nun denselben Maßstab an sich selbst anlegen. Gleichzeitig gibt es aber auch in Wien gegenüber Zeiler massive Bedenken – angesichts der geringen Unterstützung, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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