Protestcamp in Madrider City bringt Regierung gehörig in Zugzwang

Politik

Die Madrilenen haben große, blaue Planen über dem zentralen Hauptplatz aufgespannt. Das Plastik schützt die Zeltstadt vor der Spätsommersonne und dem gelegentlichen Regen, der den Herbst ankündigt. Kein Wetter wird sie von dem Platz wegbewegen. Sie haben sich hier eingerichtet und wollen so lange bleiben, bis die Regierung etwas unternimmt gegen die Wohnungsnot.

Maricarmen ist das Gesicht ihrer Proteste. Die 87-Jährige wurde vergangene Woche aus ihrer Wohnung delogiert. Polizei und Notarzt waren vor Ort, um die Frau auf einer Trage aus der Wohnung zu bugsieren, in der sie 70 Jahre lang gelebt hat. Ihr Schicksal berührt viele. Auch, weil sie wissen, dass ihnen dasselbe widerfahren könnte. Wohnen in spanischen Großstädten ist in den vergangenen Jahren zu einem Luxus geworden, den sich immer weniger Menschen leisten können.

Der Fall von Maricarmen hat wie selten zuvor veranschaulicht, jeden Monat hat sie pünktlich ihre Miete gezahlt. 500 Euro inklusive Nebenkosten, ein alter Vertrag, den sie von ihrem Vater übernommen hat. Dann wurde das Gebäude von einem Immobilienfonds gekauft. Der hat die Miete um 275 Prozent erhöht. Maricarmens Anwältin sagt, dass die neuen Vermieter nie dazu bereit waren, über die Situation zu verhandeln. Bis die Delogierung am vergangenen Donnerstag zu landesweiten Protesten geführt hat.

Auf dem zentralen Platz von Madrid treffen sich vor allem linke Organisationen, die mit der Regierung unzufrieden sind. Eine Regierung, die zu Teilen aus einer ähnlichen Protestbewegung im Jahr 2011 entstanden ist, nun die Wähler aber enttäuscht.

Wut

Lola sitzt in ihrem Zelt. Sie sagt, wie sie das wahrnimmt, was um sie herum passiert: „Ich denke, es ist die Wut von allen, die sich hier organisiert. Schon seit Jahren leben wir mit dieser Situation, die nicht nachhaltig ist. Nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa.“ Die junge Frau ist müde. Es ist laut auf der Puerta del Sol. Der Protest lockt viele Menschen an. „Aber es ist es wert, hier zu bleiben“, sagt sie.

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2.650 Euro sollte Maricarmen zahlen. Nach den anhaltenden Protesten und der öffentlichen Empörung hat der Immobilieninvestor vorgeschlagen, den Preis um tausend Euro zu senken. Noch immer viel zu viel. Maricarmens Pension beträgt 1.400 Euro im Monat. Damit kann sie sich auch keine andere Wohnung in Madrid mieten. Allein im letzten Jahr sind die Mietpreise spanienweit um fast sechs Prozent gestiegen. Der Quadratmeter kostet im Durchschnitt mehr als 15 Euro, in Madrid sind es fast 23 Euro.

„Soziale Empörung“

Leo und seine Freunde haben erst eine Nacht auf der Puerta del Sol übernachtet. Aber sie waren bei der Zwangsräumung von Maricarmen dabei. Für sie ist die Frau ein Symbol. „Bei den Protesten von 2011 war es soziale Empörung, die die Menschen auf diesen Platz getrieben hat. Und aktuell gibt es nichts, das mehr empört als die Wohnungsfrage“, sagt Leo. Er und seine Freunde sind vor allem von den linken Parteien enttäuscht, in die sie viel Hoffnung gesteckt hatten. Aber in den vergangenen Jahren ist die Situation immer schlimmer geworden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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