
Sichtlich stolz wirft Conwell Ndlera die Getreidemühle an. Lautes Rattern erfüllt den kleinen Schuppen, in den sich die Dorfbewohner drängen – keiner will die Präsentation verpassen. Das Getreide wird geschält, dann geröstet, schlussendlich gemahlen. Alles maschinell und innerhalb kürzester Zeit.
Ndlera wischt sich die Hände an seiner ausgeblichenen, blauen Arbeitshose ab, bevor er die Maschinen wieder ausstellt. Sie sind das Heiligtum der Dorfgemeinschaft, eine Kostbarkeit, die den Bäuerinnen und Bauern seit der Anschaffung vor ein paar Jahren mehr Zeit für andere Arbeiten lässt: für den Anbau von Gemüse, der Tierzucht. Oder, wie in Conwell Ndleras Fall, für seine Fische.
Schauplatz der Geschehnisse: ein Dorf im Bezirk Mwenezi im südlichen Simbabwe. Der Weg führt über unebene, kaum identifizierbare Fahrbahnen zu abgelegenen Siedlungen, weit von der nächsten asphaltierten Straße entfernt. Doch vor der bevorstehenden Bedrohung schützt nicht einmal die Abgeschiedenheit.
Wenn Regen, dann extrem
Simbabwe zählt zu jenen Ländern, die besonders stark vom sich anbahnenden Klimaphänomen El Niño betroffen sind. Normalerweise sollte jetzt die Regenzeit beginnen und bis Frühling andauern. Doch die Prognose ist eine andere: noch weniger Regen als sonst. Erst ab Jänner könnte sich der Niederschlag normalisieren, aber auch nur im Süden und Westen des Landes. Wobei: Selbst das „Normal“ ist eigentlich zu wenig. In Mwenezi regnet es im Durchschnitt 400 mm im Jahr, in Österreich sind es etwa 1.190 mm. Hier wie dort wird Regen klimawandelbedingt unzuverlässiger. Und wenn er kommt, dann oft in Extremen.
In einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung Subsistenzwirtschaft betreiben und der Großteil davon auf Regen zur Bewässerung angewiesen ist, ist diese Aussicht beängstigend.
Taxifahrer und Wartende an den Supermarktkassen sprechen vom „Super“-El-Niño, die Regierung warnt im Radio vor den Folgen. Der Schock nach dem letzten El Niño sitzt noch tief. Damals, 2024, waren während der Hungerzeit von Jänner bis März laut UN geschätzt 1,2 Millionen Kinder im südafrikanischen Binnenland von Ernährungsunsicherheit betroffen. Das amerikanische Climate Impact Lab warnte unlängst vor rund 450.000 zusätzlichen Hitzetoten im kommenden Jahr.
„Es gibt Prognosen, die die Auswirkungen von El Niño noch schlimmer schätzen als 2023/2024“, warnt die Simbabwe-Länderchefin der NGO CARE, Delilah Takawira.
Wie kann sich eine Bevölkerung vor so einer Katastrophe wappnen?
Zurück zur Hirse
„Der erste Schritt sind klimaresilientere Anbaumethoden und Diversität im Beet“, sagt Takawira.
In Buhera, einem Bezirk im östlichen Hochland Simbabwes, steht Garcia Magagani zwischen groß gewachsenen Covo-Stauden – einer Art Grünkohl, dem Grundnahrungsmittel Simbabwes – im Gemeinschaftsgarten, der mit CARE gemeinsam angelegt wurde. Neben ihr wachsen Spinat, Kürbisblätter, Okra, Tomaten, Zwiebel und traditionelle, einheimische Getreidearten wie Perlhirse, die einst durch den in Kolonialzeiten eingeführten, wasserintensiven Mais verdrängt wurden. Mais galt lange als Symbol für Modernität und Wohlstand, die Hirse war das „Essen der Armen“. Heute kehren viele zurück zu ihr, weil Hirse selbst bei minimalem Niederschlag noch Erträge liefert.
„Wir haben den Boden tief aufgelockert, ohne die Bodenschichten umzudrehen, und Kompost, Blätter und Mulch eingearbeitet, um den Boden zu verbessern. Damit die Feuchtigkeit länger in der Erde bleibt“, erklärt die 68-Jährige. Die Ernte heuer sei dreimal so viel gewesen wie sonst, führt sie aus und lacht. Die Dorfbewohner bestätigen das mit lauten …read more
Source:: Kurier.at – Politik



