Mautner-Markhof-Chef: „Wir müssen hohe Kosten ausgleichen“

Wirtschaft

Seit 185 Jahren produziert das Unternehmen Senf, Essig, Sirup und Co in Österreich. Geschäftsführer Jürgen Brettschneider spricht im Interview über Herausforderungen und Chancen.

KURIER: Mautner Markhof hat eine lange Geschichte. Was macht ein Unternehmen so langlebig?

Jürgen Brettschneider: Am wichtigsten ist, dass man Beständigkeit hat und an Tradition festhält. Aber man muss sich trotzdem verändern. Die Anforderungen verändern sich immer mehr. Und Mautner Markhof ist dem Anspruch an die österreichische Küche und an den Geschmack der Österreicher immer gerecht geworden.

Was hat sich denn am meisten verändert in den vergangenen 185 Jahren?

Ich glaube, die Produktionstechnologie und die Anforderungen an Arbeitnehmer. Was sich wahrscheinlich am wenigsten verändert hat, sind traditionsreiche Rezepturen. Trotzdem wächst der Wunsch der Konsumenten nach Abwechslung und nach Convenience.

Mautner Markhof ist ein heimisches Traditionsunternehmen, gehört aber seit 2001 zu Münchner Develey-Gruppe. Was hat der Verkauf nach Deutschland verändert?

Was sich massiv verändert hat, war das Bewusstsein, dass man investieren muss. Unternehmen können über lange Zeit nicht bestehen, wenn nicht kontinuierlich in Betrieb, Technik, Mitarbeiter und Innovation investiert wird. Das war gut für das Unternehmen. Develey hat auch enormes Interesse an Markenbewusstsein und regionaler Wertschöpfung. Deswegen haben wir viele regionale Marken. Das war auch wichtig für den Standort in Wien.

Was spricht wirtschaftlich dafür, heute Lebensmittel in Österreich herzustellen?

Erst einmal die regionale Wertschöpfung. Die Leute brauchen einen Arbeitsplatz. Unsere Qualitätsansprüche erfüllen wir in Österreich mit Personal, das sehr gut ausgebildet ist, auch im Vergleich zu anderen Standorten. Ich kann das bewerten: Wir haben viele Standorte in anderen Ländern und der österreichische Qualitätsanspruch ist sehr hoch.

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Sie haben in den vergangenen Jahren einiges investiert. Was muss ein Produktionsstandort können, damit sich diese Investitionen langfristig auszahlen?

Die Investitionen sind dazu da, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Standort in Österreich muss auf dem modernsten technologischen Standard sein. Das kann er nur mit Investitionen. Wir haben in Österreich sicher keinen Vorteil bei der Energie oder bei den Lohnkosten. Also müssen wir das durch hohe Standards ausgleichen.

Wo steht Österreich im internationalen Vergleich?

Die Großindustrie macht gerade sicherlich eine schwierige Zeit durch. Das lief in den vergangenen Jahren mit der hohen Inflation nicht unbedingt positiv. Österreich war vor fünf Jahren noch federführend und ein wettbewerbsfähiger Standort. Und ich denke, das ist auch wieder möglich, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten.

Wie geht es Ihnen mit dem Fachkräftemangel und beim Nachwuchs?

Wir machen seit Jahren Lehrlingsausbildung. Ich bin ein Verfechter davon, denn ich habe selbst zwei Lehrberufe gelernt und mich dann weiterentwickelt. Wenn wir unsere Fachkräfte selbst ausbilden, dann schaut am Ende auch sehr viel dabei heraus. Ich kann das nur der ganzen Industrie ans Herz legen.

Was ist die größte Gefahr für die österreichische Lebensmittelindustrie in den kommenden zehn Jahren?

Die größte Gefahr wäre, wenn uns die landwirtschaftliche Versorgung und die Produktion wegbricht wegen schlechter Rahmenbedingungen. Jeder Betrieb, der zusperrt, kommt nicht wieder. Und wenn dann Lebensmittel über Zigtausende Kilometer zu uns gefahren werden müssen, dann sind wir abhängig von anderen. Und ich denke, ein Land wie Österreich mit unserer betrieblichen Struktur sollte das nicht zulassen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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