
Die Regierung will den Grundwehrdienst von sechs auf insgesamt neun Monate verlängern. Im Gegensatz zur Politik findet mit 54 Prozent die Mehrheit der Jugendlichen die Wehrpflicht in ihrer aktuellen Form allerdings nicht zu kurz, wie der am Freitag präsentierte erste „Jugendmonitor“ des Verteidigungsministeriums zeigt. 32 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Vom Bundesheer haben mit 59 Prozent die meisten Jugendlichen ein positives Bild, 24 Prozent lehnen das Heer ab.
Der „Jugendmonitor“ ist eine repräsentative Umfrage unter Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren zu den Themen Bundesheer, Verteidigung und Sicherheit. Im Juli wurden dafür 1.010 Personen befragt (Schwankungsbreite 3,14 Prozent). Männliche Jugendliche tendierten demnach zu fast gleichen Teilen zum Grundwehrdienst (38 Prozent) und Zivildienst (36 Prozent). Bei den 17- bis 18-Jährigen gibt es allerdings eine Tendenz hin zum Zivildienst: 43 Prozent sprachen sich für den Wehrersatzdienst aus, 37 Prozent für den Grundwehrdienst, der Rest ist unentschlossen.
Dauer als Mitgrund für Wahl des Grundwehrdiensts
Für den Zivildienst entscheiden sich die Burschen laut der Befragung, weil sie:
einen sozialen Beitrag leisten wollen
Interesse an den Berufsfeldern haben
Waffen und das Bundesheer ablehnen
Gründe für eine Entscheidung für den Grundwehrdienst sind:
eine positive Einstellung zum Bundesheer
die Förderung der persönlichen Entwicklung
Patriotismus
der Zeitvorteil (ist der Wehrdienst doch aktuell mit einer Dauer von sechs Monaten kürzer als der Zivildienst mit neun Monaten)
Mit der von der Regierung geplanten Reform soll sich das ändern: Der Wehrdienst soll auf insgesamt neun Monate inklusive Milizübungen verlängert werden, der Zivildienst erst dann auf elf Monate, wenn die Zahl der Grundwehrdiener in einem Jahr 13.875 unterschreitet. Angesichts der Debatte gebe es ein starkes Ansteigen von Zivildiensterklärungen, sagte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) bei der Pressekonferenz. Wenn der Wehrersatzdienst vermehrt gewählt wird, hätte man das Ziel der Steigerung der Verteidigungsfähigkeit nicht erreicht. Die Ministerin appellierte an alle Parteien, das parteipolitische Interesse hintanzustellen. Sie hatte in der Vergangenheit gemeint, eine frühere Verlängerung des Zivildiensts zu präferieren.
Bundesjugendvertretung gegen längeren Wehrdienst
Der Leiter des Referats Strategische Markt- und Meinungsforschung, Wolfgang Prinz, wies gegenüber der APA darauf hin, dass Jugendliche die derzeitige Länge des Grundwehrdiensts zwar als ausreichend betrachten, jedoch nicht die Gesamtbevölkerung. „In unserer bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Verteidigungsressort zum sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsbild stimmten im Jahr 2025 51 Prozent der Aussage zu, dass sechs Monate Grundwehrdienst zu kurz seien. In der heurigen Befragung ist dieser Anteil bereits auf 59 Prozent gestiegen.“
Die Bundesjugendvertretung forderte die Politik hingegen auf, auf die Stimmen der Jugendlichen zu hören. „Wir appellieren daher an die Regierung, die derzeit geplante Ausweitung des Wehrdienstes nicht umzusetzen“, so Vorsitzende Anna Schwabegger in einer Aussendung. Stattdessen brauche es eine bessere Ausbildung und bessere Rahmenbedingungen für Grundwehrdiener.
SPÖ-Jugendsprecher Paul Stich betonte wiederum, dass die Wehrdienstreform nicht nur einen längeren Dienst, sondern auch mehr Sold, sieben Tage Urlaub und eine qualitätsvollere Ausbildung bringen soll.
81 Prozent für Beibehaltung der Neutralität
Weiters kann sich laut Umfrage jedes fünfte Mädchen (21 Prozent) vorstellen, den freiwilligen Grundwehrdienst für Frauen zu absolvieren. Gleichberechtigung und Selbstbestimmung spielen bei den Motiven eine wichtige Rolle, erklärte Tanner.
Die Aufgaben des Bundesheers würden mehrheitlich befürwortet, stellte Prinz bei der Pressekonferenz fest.
Die Katastrophenhilfe war mit 89 Prozent den meisten Jugendlichen wichtig
Darauf folgen …read more
Source:: Kurier.at – Politik



