
„Nein zu Datenzentren!“, „Beschützt unsere Gemeinschaft, beschützt unsere Zukunft“, steht in großen Buchstaben auf den Plakaten. „Keine weiteren Rechenzentren hier!“, rufen die Demonstrierenden, die in einer Kolonne durch Virginias Hauptstadt Richmond ziehen. Ihr Ziel: das State Capitol, wo die Demokratische Gouverneurin Abigail Spanberger sitzt. Die hat erst im September ein Gesetz unterzeichnet, das die Subventionierung von Rechenzentren von KI-Systemen beenden und die Bevölkerung vor höheren Stromkosten schützen soll. Den Demonstrierenden reicht das nicht: Sie wollen überhaupt keine neuen Rechenzentren in ihrem Bundesstaat.
Protest gegen Rechenzentren kennt man auch in Österreich – siehe Kronstorf oder Stetten –; in den USA, die mit China um die globale Führung im Bereich Künstlicher Intelligenz wetteifern, hat der Kampf eine politische Dimension angenommen. An der US-amerikanischen Ostküste ist diese unübersehbar.
Ressourcenfresser
Virginia, etwa 1,3-mal so groß wie Österreich, dafür etwas weniger Einwohner (8,8 Millionen), hat die größte Dichte von Rechenzentren auf der ganzen Welt. Über 600 kleine und große Anlagen – reizlose, graue Betonklötze mit mehrstöckigen Fensterreihen – sind es insgesamt. Für die Bevölkerung sind die Folgen ambivalent: Rechenzentren bedeuten Jobs und mehr Steuereinnahmen in Milliarden Höhe. Dafür bezahlt man mit Baustellen, Lärm, der Versiegelung von Grünflächen und vielerorts bis zu 30 Prozent höheren Strompreisen. In einem Wahlkampf, in dem die gestiegenen Lebenserhaltungskosten ein treibendes Wahlmotiv sind, sind die Rechenzentren zum Feindbild vieler Wählerinnen und Wähler geworden.
Viele Amerikaner agieren bei dem Thema widersprüchlich: In einer Umfrage des Pew Research Center vom September gaben 60 Prozent der über 10.500 Befragten an, sie würden sich mit einem neuen Rechenzentrum in ihrer Gegend nicht besonders oder gar nicht wohlfühlen. Sowohl unter Wählerinnen und Wählern der Demokraten als auch der Republikaner ist die Skepsis seit Jahresbeginn gestiegen. Gleichzeitig gab in einer anderen Studie desselben Instituts die Hälfte der Befragten an, KI-Chatbots zu nutzen – viel mehr Menschen dürften KI noch häufiger nutzen, oft unbewusst, etwa bei Suchanfragen im Internet.
Das Problem dabei: Für jede Anfrage bedarf es eines Rechenzentrums voller leistungsstarker Computer, die in Nanosekundenschnelle die Datenmengen im Netz durchforsten, um schnellstmöglich eine Antwort zu liefern. Dafür braucht man Energie, es entsteht Abwärme, die gekühlt werden muss – ähnlich wie ein Atomkraftwerk. Das passiert durch Wassersysteme. Im Schnitt „kostet“ jede Unterhaltung mit einer KI zwei bis drei Gläser Wasser.
Einige Anlagen brauchen so viel Strom und Wasser wie eine ganze Stadt. 2024 hat das Electric Power Institut vorgerechnet, der Anteil von Rechenzentren am US-Stromverbrauch könne bis 2030 auf neun Prozent steigen. Anfang des Jahres wurde die Prognose revidiert, die Rede ist von bis zu 17 Prozent. In Virginia betrug der Anteil der Datenzentren an der Stromerzeugung des gesamten Vorjahres bereits ein Viertel. „Wir kämpfen dagegen an, weil unsere gewählten Vertreter es nicht tun“, sagt ein junger Demonstrant vor dem State Capitol in Richmond gegenüber ABC News. „Und es hätte niemals so weit kommen dürfen.“
Trumps Techmilliardäre
Sowohl Demokraten als auch Republikaner ringen um eine Antwort auf den Protest: Letzteren fällt auf den Kopf, dass ihr Präsident die Genehmigungsverfahren für den Bau von Rechenzentren vereinfacht hat: Gemeinden, die sich gegen den Bau von Rechenzentren stellten, seien „rückständig …read more
Source:: Kurier.at – Politik



