
Als erste Tennisspielerin seit Serena Williams 2014 will Jelena Rybakina ab Sonntag den Titel bei den WTA Finals erfolgreich verteidigen. Gemeinsam mit sieben anderen Spielerinnen kämpft die Nummer eins der Welt in Indian Wells um ein Preisgeld von 10 Millionen Dollar. Das ist mehr als ein Drittel weniger als letztes Jahr – und ein Fingerzeig für die Zukunft. Denn die Women’s Tennis Association (WTA) kämpft mit einem finanziellen Engpass.
Der Himmel über der kalifornischen Wüste dürfte strahlend blau sein, die Atmosphäre im Indian Wells Tennis Garden freundlich, das Publikum fachkundig. Kein Vergleich zu den letzten beiden Austragungen in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad, wo sich in der Halle einer Universität wenige Zuschauer verloren und kaum Stimmung aufkam. Die bittere Pille für die Tennisprofis: Das Preisgeld in Indian Wells ist 5,5 Millionen Dollar weniger als in Saudi-Arabien.
Das hat tiefere Gründe als den – ein Jahr früher als geplant vollzogenen – Ortswechsel. Im Herbst schrillten die Alarmglocken, verschiedene Medien wie der englische Telegraph berichteten von massiven Finanzproblemen bei der WTA. In diesem Jahr dürfte die Dachorganisation des Frauentennis ein Defizit von rund 23 Mio. Dollar einfahren, die Reserven auf etwa 15 Mio. einbrechen. Damit könnte die Kasse bereits im kommenden Jahr leer sein.
Gleiches Preisgeld aus der eigenen Kasse
Die Gründe sind vielfältig und hängen zum Teil paradoxerweise mit dem Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte zusammen. Da die Männertour ATP oft ein deutlich höheres Preisgeld ausschüttet, sah die WTA sich bei den großen kombinierten Turnieren (aktuell in Indian Wells, Miami, Madrid, Rom, Kanada, Cincinnati, Peking) genötigt, schrittweise für gleich viel Kompensation zu sorgen. Da manche Turniere dies aber nicht selber stemmen können oder wollen, zapfte die WTA ihre eigenen Reserven an, um die Differenz auszugleichen. Das wird sie sich auf Dauer aber nicht leisten können, da die Einnahmen der WTA weniger als die Hälfte derjenigen der ATP betragen.
Pech, oder einfach ein schlechtes Händchen, hatte die WTA auch mit ihrem Finalturnier der besten acht Spielerinnen. 2019 schloss sie mit dem chinesischen Shenzhen einen Zehnjahresvertrag ab, das Preisgeld verdoppelte sich von sieben auf 14 Mio. Dollar. Nach der ersten Austragung war aber bereits wieder Schluss mit dem Geldsegen. Zuerst kam Covid mit den sehr strikten Einschränkungen in China. 2020 fiel das Turnier ganz aus, 2021 musste es nach Mexiko verlegt werden. Danach kam die „Affäre“ Peng Shuai.
Die ehemalige Weltranglisten-Erste im Doppel beschuldigte im November 2021 einen hochrangigen Parteifunktionär aus China der sexuellen Nötigung und verschwand danach mehrere Wochen von der Bildfläche. Aus Sorge um Pengs Sicherheit sagte die WTA vorübergehend sämtliche Turniere in China ab. Damit war auch das Masters und der lukrative Vertrag nach nur einer Austragung bereits wieder Geschichte.
Kritik am Deal mit Saudi-Arabien
Als Retter trat 2024 der staatliche saudische Investmentfonds PIF auf den Plan. Ein Dreijahres-Deal mit einem Rekord-Preisgeld von 15,5 Millionen Dollar pro Austragung war zu gut, um auf die Kritiker zu hören. Die sahen im Turnier einen Teil des sogenannten Sportswashing, mit dem das Königreich Saudi-Arabien von seinen Verstößen gegen Menschenrechte ablenken und sein Image verbessern wolle. Nach zwei Jahren war aber ohnehin Schluss. …read more
Source:: Kurier.at – Sport



