Der ungewöhnliche Trainer: Was Cesc Fàbregas mit Como anders macht

Sport

Im Sommer 2022 begegnete ich Cesc Fàbregas im Trainingslager in Monaco. Ich war Trainer von Cercle Brügge, er spielte damals für Monacos zweite Mannschaft. Im kurzen Gespräch beeindruckte mich seine Neugier – die Art, wie er Fragen stellte.

Heute ist er Trainer in der Champions League. Vor dem Spiel von Como gegen Feyenoord am Mittwoch lohnt sich ein Blick auf seine Arbeitsweise – speziell im Austausch mit der Vereinsführung. Präsident Mirwan Suwarso beschreibt sie so: Fàbregas übermittelt den Verantwortlichen seinen Matchplan 24 Stunden vor der Partie. Damit kennen die Klubchefs seine Überlegungen, bevor das Ergebnis feststeht.

Nach dem Spiel verfasst er einen Bericht, der den Verlauf mit den ursprünglichen Erwartungen abgleicht. Die Datenabteilung erstellt unabhängig davon eine eigene Prognose. Laut Suwarso werden diese Informationen untereinander ausgetauscht.

Der Matchplan legt fest, wie ein Team spielen will und welche Aufgaben übernommen werden. Ein Beispiel: Soll ein Stürmer einen Verteidiger aus seiner Position ziehen, damit ein Mitspieler den frei gewordenen Raum nutzen kann, beurteilt man ihn anders als jemand, der nur Torschüsse zählt.

Dazu kommt die erwartete Chancenqualität. Rechnet Como gegen einen tief verteidigenden Gegner mit 0,8 expected goals und kommt auf 1,3, kann laut Suwarso auch ein 0:0 positiv sein. Ob der Matchplan gut war, beantwortet diese Zahl noch nicht.

Ein falscher Auftrag?

Angenommen, ein Trainer lässt früh pressen. Seine Spieler laufen wie vereinbart an und werden trotzdem überspielt – waren die vorgegebenen Wege zu weit? Passte die Struktur beim Anlaufen nicht? Die Mannschaft kann den Auftrag erfüllt haben, und der Auftrag kann trotzdem falsch gewesen sein.

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Zum frühen Attackieren gehört auch das bewusste Risiko großer Räume hinter der eigenen Abwehr. Dass der Gegner diese einmal nutzt, macht die Entscheidung noch nicht falsch. Zu prüfen ist, ob es vor dem Spiel gut begründet war und ob der Trainer im Spiel reagiert hat.

Es braucht eine Fehlerkultur, die einen gut begründeten Versuch auch dann zulässt, wenn er misslingt. Wird jeder Misserfolg gegen den Trainer verwendet, entscheidet er bald danach, was sich später leicht rechtfertigen lässt. Der Mut zu ungewohnten Lösungen geht verloren.

Das von Suwarso beschriebene Verfahren schafft bei Como auch nach Niederlagen die Voraussetzung für ein lernendes System. Entscheidend ist, was folgt. Waren die vorgesehenen Abstände zu groß, müssen die Vorgaben verändert werden. War die Mannschaft unzureichend vorbereitet, muss sich das Training ändern. Und lag die Prognose daneben, muss sich auch die Datenabteilung überprüfen. Eine einzelne Erklärung für eine Pleite genügt nicht. Erst wenn die Erkenntnisse aus der Analyse in die nächste Vorbereitung einfließen, lernt der Verein dazu.

Dass Fàbregas eigene Fehler offenlegt, ist eine Stärke. Bekanntlich sind Trainer das schwächste Glied in der Kette und deshalb öfter misstrauisch als offen. Er benötigt eine Vereinsführung, die einen eingestandenen Irrtum aushält und dem Trainer das Vertrauen gibt, wieder mutige Entscheidungen zu treffen.

Glauben Sie, dass es so etwas in Österreich gibt?

Dominik Thalhammer, ehemaliger Frauen-Teamchef und Leiter der ÖFB-Trainerausbildung, analysiert aktuelle Fußballthemen für den KURIER.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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