„Eine sichere Bank“: Warum italienische Gastro in Wien immer funktioniert

Wirtschaft

Aus der Vitrine leuchten Mozzarella, Burrata und Ricotta saftig weiß. „Heute Morgen frisch hinten in der Käserei verarbeitet“, sagt Gianni Valentino stolz, als er den KURIER in seinem Lokal begrüßt. Mit seinem Bruder Pasquale hat er vor vier Jahren Fratelli Valentino auf der Wiener Alser Straße eröffnet: Eine authentische Caseificio (Käserei, Anm.) wie in ihrer Heimatgemeinde Santeramo in Colle. Der Geräuschpegel im Ecklokal ist lebendig, alle vorhandenen Sitzplätze sind besetzt. Die Servicemitarbeiter klettern gelegentlich durchs Fenster, um ihre Kunden schneller mit eiskaltem Peroni zu versorgen.

Hier wird das Lebensgefühl Apuliens zelebriert. Ein Aperitivo zum Feierabend, garniert mit ein paar guten Gesprächen. „Ich wollte, dass es ein Treffpunkt wird. Manche Nachbarn lernen sich erst bei uns kennen“, sagt er. Das mache das authentisch Italienische aus – das laute und zugleich entspannte Dolce Vita. Ein Kurzurlaub mitten in Wien. Und ein Konzept, das seit Jahrzehnten funktioniert.

In Österreich sei es fast eine „sichere Bank“, als Gastronom auf den italienischen Zug aufzuspringen, sagt der Gastrosprecher der Wirtschaftskammer Wien, Thomas Peschta. Aber warum eigentlich?

Man kennt sich untereinander

Lange suchen muss man heute nicht, um einen „richtigen Italiener“ ausfindig zu machen. Vor 40 Jahren sah die Sache anders aus, weiß Luigi Barbaro Junior. Authentische Pizza gab es in Österreich kaum, schon gar keine neapolitanische. Luigi Barbaro Senior beschloss, das zu ändern, und baute mit seiner Famiglia „ein kleines, italienisches Imperium“ in der Wiener Innenstadt auf.

Ein wichtiger Unterstützer war und ist die italienische Botschaft, erzählt der Junior. Diese würde sich stark um die Wirtschaftstreibenden hierzulande bemühen. Mit der italienischen Agentur für Außenhandel ICE arbeitet die Familie ebenfalls seit Jahrzehnten zusammen. Sie unternehmen Reisen zu Messen, selektieren neue Partner. Natürlich alle aus Italien.

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Dass die italienische Kulinarik kurz nach der Ankunft der Barbaros regelrecht explodiert ist, kommt nicht von ungefähr. Denn die Italiener kennen einander und halten von Konkurrenzdenken wenig. Nicht zuletzt, weil jeder mit jedem irgendwie schon zusammengearbeitet hat.

Die grün-weiß-rote Fahne: Was ist das Original?

Von den Zanonis haben die Peruginis erfahren, dass der Pisani im 21. Bezirk sein Eisgeschäft verkaufen will. Also zogen die Perugini-Brüder Stefano und Marco 1998 vom Gardasee nach Wien und eröffneten ihre eigene Gelateria. Bis ihr Lieferant verriet, dass der Serafini im 20. Bezirk wieder nach Hause nach Italien will. Dieser überließ den Peruginigs dann nicht nur eine verbesserte Rezeptur, sondern auch sein Eisgeschäft. Seit 2008 stehen Stefano und Marco nur noch in der Floridsdorfer Filiale, weil die Serafinis über Umwege (die Schwester des früheren Besitzers) wieder ins Eisgeschäft zurückkehrten. Alles freundschaftlich, versichert Stefano Perugini. Denn solange es original italienisch ist, ist er zufrieden.

Früher habe die offizielle Vereinigung der italienischen Eiserzeuger in Österreich nahegelegt, das Original zu kennzeichnen. Mit einer grün-weiß-roten Fahne, die auf der Außenfassade von Lokalen montiert sein sollte. Aber irgendwie ist das verloren gegangen, erinnert sich der Triestiner Pietro Viscovich. Im ersten Bezirk betreibt er die Gelateria Ferrari. Nicht selten wird hier für seine Kreationen Schlange gestanden. „Österreicher sind Eisfanatiker“, erzählt er. Rund acht Liter werden pro Kopf im Jahr verspeist. Dafür greifen sie auch tiefer in die Tasche. Höhere Preise sind in …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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