
Die Österreicher sollen länger arbeiten – bis 67, schlägt Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger vor. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) plädiert für 45 Berufsjahre vor der Pension. Wer studiert, könnte also bis 70 arbeiten, oder länger. Neu ist die Debatte nicht. Arbeitnehmervertreter sowie SPÖ, FPÖ und Grüne stellen sich bislang gegen eine Anhebung des Regelpensionsantrittsalters. Zahlreiche Ökonomen und Wirtschaftsvertreter wie die Industriellenvereinigung sprechen sich seit Jahren dafür aus. Selbst Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec zeigt sich jetzt gesprächsbereit.
Warum? Weil die Lebenserwartung gestiegen ist, die Erwerbstätigen im Schnitt zunehmend älter werden (bis 2040 werden laut Statistik Austria 26,7 Prozent der österreichischen Bevölkerung 65 Jahre und älter sein) und das aktuelle Pensionsmodell dem Staat zu teuer werden könnte. Ab 2030 sollen 630 Millionen Euro bei den Pensionen fehlen, berechnete u. a. der wirtschaftsliberale Thinktank Agenda Austria. Doch wie realistisch ist es, dass die Österreicher länger arbeiten und sind Unternehmen überhaupt bereit dafür? Die 5 wichtigsten Fragen und Antworten.
1) Mit 65 in Pension: Wo steht Österreich?
Das Regelpensionsantrittsalter in Österreich liegt bei 65 Jahren (Frauen werden bis 2033 schrittweise auf 65 Jahre angehoben). Das faktische Pensionsantrittsalter liegt darunter. 2025 gingen Männer mit 62,4, Frauen mit 60,7 Jahren in Pension. Die Tendenz ist aber klar steigend.
Im europäischen Vergleich liegt Österreich im Mittelfeld. Im Schnitt gehen die Europäer laut OECD mit 63,6 Jahren (Frauen) bzw. 64,7 Jahren (Männer) in Pension (Daten aus 2024). Deutschland hat das Antrittsalter bereits auf 67 angehoben – für alle Jahrgänge ab 1964. In Dänemark muss jeder, der ab 1971 geboren ist, bis zum 70. Lebensjahr arbeiten. Es ist das bisher höchste Antrittsalter Europas.
2) Wie ist der Arbeitsmarkt für ältere Arbeitnehmer?
Menschen ab 50 machen bereits über 30 Prozent aller Beschäftigten aus, knapp fünf Prozent sind 60 und älter, erhebt das aktuelle Älterenbeschäftigungsmonitoring des Arbeitsministeriums. Trotz der allgemein steigenden Beschäftigung in dieser Gruppe würde sich die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt nach einem Jobverlust oftmals schwierig gestalten, heißt es weiters. Die Arbeitslosenquote steigt mit zunehmendem Alter.
Im Juli 2026 waren 94.787 Ältere (50+) beim AMS arbeitslos gemeldet. Insbesondere bei Frauen gibt es durch die Anhebung des Pensionsantrittsalters zwar ein Plus in der Beschäftigung, aber auch ein deutliches Plus in der Arbeitslosigkeit (plus 4,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat).
3) Werden Ältere im Job diskriminiert?
Obwohl längeres Arbeiten gefordert wird, sieht die Realität in den Betrieben oft anders aus. Das zeigen zahlreiche Wortmeldungen auf einen Social-Media-Beitrag des Gewerkschaftsbunds. „Man gilt schon ab über 40 Jahren zu alt für die meisten Arbeitgeber“, schreibt eine Person. „Mit 52 bekomme ich nicht einmal mehr eine Antwort auf Bewerbungen, aber jetzt soll ich bis 70 arbeiten?!“, schreibt eine andere. Eine AMS-Studie aus dem Jahr 2023 wies nach, dass zwölf Prozent der Bewerbungen von Ü-50-Jährigen aufgrund des Alters ungleich behandelt werden.
Der Gewerkschaftsbund betont, dass jede vierte Person nicht aus einem aufrechten Arbeitsverhältnis, sondern aus dem Krankenstand oder aus der Arbeitslosigkeit in Pension geht. Zudem würden 30 Prozent der mittleren und großen Betriebe keine einzige Person ab 60 Jahren beschäftigen. Der Monitoringbericht des Arbeitsministeriums erhebt ebenfalls besorgniserregende Zahlen: Nur 47 Prozent der Betriebe würden …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



