
Künstliche Intelligenz (KI) braucht extrem viel Rechenleistung. Diese lässt sich in spezialisierten KI-Rechenzentren bündeln, die weltweit wie Schwammerl aus dem Boden schießen. Gigantische Server-Farmen benötigen bis zu einem Gigawatt Strom, was dem Verbrauch einer Großstadt entspricht. Um Platz und vor allem Energie zu sparen, werden die Prozessoren immer dichter zusammengestellt, Bauteile wie elektronische Schaltkreise immer kleiner, kompakter – und schwerer herstellbar.
Hier kommt der steirische Leiterplattenhersteller AT&S ins Spiel, der mit seinen IC-Substraten (Verbindungsteil zwischen Chip und Leiterplatte, Anm.) ein weltweit wichtiger Zulieferer für KI-Rechenzentren ist. Die Nachfrage nach den Hightech-Substraten ist riesig, das Geschäft bei AT&S brummt, der Aktienkurs hob zuletzt ab. „Wir sind die Schaltzentrale der Kommunikation“, meinte AT&S-Vorstandschef Michael Mertin bei einem Hintergrundgespräch. Da die Anforderungen an die Produkte immer komplexer würden, müssten sich Hersteller und Kunden eng vernetzen und Entwicklungen gemeinsam finanzieren.
AT&S kooperiert mit fünf bis zehn großen Chip-Herstellern wie etwa AMD und kann dadurch große Volumina bewegen. „Unsere Kunden finanzieren mit uns gemeinsam die Entwicklungen. Dadurch ist es uns gelungen, Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro loszutreten“, berichtet Mertin. Mit dem Geld werden die Kapazitäten kräftig hochgefahren. „Wir investieren auf der ganzen Welt, an jedem unserer Standorte, auch in Hinterberg und in Fehring“, so Mertin. Konkret werden vor allem neue Maschinen angeschafft, Produktionslinien um- und aufgerüstet, am Standort in Kulim/Malaysia wird ein weiteres Werk in Betrieb genommen.
Der Vorteil durch die Kooperationen: Es gibt lange Abnahmegarantien von den Kunden, weniger Mitbewerber und mit der Komplexität steigt auch der Preis. „Wir sind dabei einer der Gewinner“, sagt der CEO und schraubt seine Jahresprognosen nach oben.
50 Prozent Umsatzplus
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er mit einem Umsatzplus von „mindestens 50 Prozent“ auf mehr als 2,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) soll um mehr als 30 Prozent auf rund 900 Millionen Euro klettern. „Wir werden in Summe ein sehr profitables Jahr haben“, sagt Mertin. Eine Dividende soll es vorerst trotzdem nicht geben, zunächst soll die Eigenkapitalquote verbessert werden.
Die Wachstumsprognosen sind aber auch mit Risiken verbunden, vor allem durch laufende Engpässe in der Lieferkette. Kupfer, Lithium, verschiedene Chemikalien sowie Speicherchips seien wegen der hohen Nachfrage weltweit immer wieder knapp. „Die Engpässe sind aber für unsere Kunden dramatischer als für uns“, relativiert Mertin. Die Aufträge würden nur verzögert. Dass die KI-Blase irgendwann platzen könnte, glaubt der Manager nicht. „Die KI ist der Beginn einer neuen Ära der Industrialisierung, vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine.“ Diese Ära habe gerade erst begonnen.
Kritik an EU-Politik
Kein gutes Haar lässt Mertin wie viele andere Industrielle auch an der aktuellen Förder- und Regulierungspolitik der Europäischen Union. Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, müsse sich die EU auf marktreife Schlüsseltechnologien konzentrieren, die nicht schon von den USA oder Asien besetzt seien. „Es nützt nichts, wenn die Politik festlegt, Batterien zu bauen. Das Thema Batterien ist abgefahren“, argumentiert Mertin. Besser sei es, auf neue Technologien wie Quantenkommunikation zu setzen, verwertbare Produkte zu entwickeln und die Wertschöpfungskette in Europa zu halten. Auch in der Raumfahrtindustrie gebe es großes Potenzial.
Generell sollte nur gefördert werden, was kommerziell verwertbar ist. Angesprochen auf die …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



