Titanic – Das Brot ist voll: Eine herrlich chaotische Abschiedsshow im Theater am Werk

Kultur

Der Anfang ist das Ende: Gleich zu Beginn wird sich das Ensemble fünf Mal verbeugen, sich schön übertrieben pathetisch verabschieden und dabei die eigene Rolle aufs Korn nehmen: „Wir sind so divers, ihr seid so süß“, rufen sie dem Publikum zu. Und ja, man werde „immer für einander da sein“, heißt es dann in einem Ton, der ironisch an gruppentherapeutische Sitzungen erinnert (Text: Charlotte Zorell). Es folgt ein Exkurs über das „emotionale Ökosystem Kebab“, schön überdreht erklärt von Anillo Sürün als zart hysterischer Balletttänzer, der am Ende in einer Art Brautkleid über die Bühne fliegen wird, während der musikalische Leiter des Abends auf Gitarre und Mandoline zupft. Ansonsten lümmelt Uwe Felche, bis auf ein paar Zwischenrufe, wie unbeteiligt am Rande des Geschehens, was zu einer bitteren Bilanz führt: Erwähnt werde die Musik so gut wie nie!  

Die Abschiedsshow „Titanic – Das Brot ist voll“ des Divercitylabs im Theater am Werk ist natürlich auch ein sehr selbstreferenzieller Abend. Gewiss gibt es Insider-Schmähs, aber das Publikum darf mitlachen, wenn etwa die Wiener Festwochen durch den Kakao gezogen werden: Klar, das hier sei „das beste Stück aller Zeiten“ und: „Ich kann mit den Augen heilen“ verweist Zeynep Alan auf jüngste Hervorbringungen von Festwochen-Leiter Milo Rau. 

Sympathisch chaotisch

Worum aber geht es hier? Eine Gruppe von Schauspielern und Schauspielerinnen, die im Lauf der Jahre unter anderem im Divercitylab ausgebildet wurden, verabschiedet sich von ihrer Leiterin. Regisseurin Aslı Kışlal, die das kunstpolitisches Projekt 2013 gegründet hat, ist ab dieser Saison Künstlerische Direktorin im Theater der Jugend Wien.

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Mit dieser liebevollen, sympathisch-chaotischen und sehr lustigen Abschiedsshow gehen das Divercitylab und seine Leiterin nun auseinander. Was soll die Truppe jetzt ohne sie machen? Angedeutet wird hier eine Rolle, die weit über jene der Regisseurin hinausgeht. Eine Art Coach, vielleicht mehr, muss sie für manche hier gewesen sein. Rührend wäre das, würde Kışlal, die während des Stücks immer wieder mit Regieanweisungen eingreift, nicht trocken verkünden: „Ich hab jetzt einen anderen Job“. 

Ein bisschen melancholisch

Trockenes Kommentieren gehört ebenso wie das Übertreiben inhaltlicher Positionen zu dieser unterhaltsamen, auch ein bisschen melancholischen Selbstdarstellungs-Show, in der man unter anderem gemeinsam auf der Bühne duscht, offensichtlich extrem scharfe Pfefferoni verspeist und den großartigen, leicht hysterisch vorgetragenen Gesangseinlagen von Barča Baxant lauscht. Nicht nur sie, jeden und jede aus dieser Truppe (Anillo Sürün, Barča Baxant, Onur Poyraz, Zeynep Alan, Özge Dayan-Mair, Charlotte Zorell) hofft man, demnächst hier oder auf einer anderen Bühne wieder zu sehen.  

 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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