
Da lag er ausgestreckt auf dem Boden, die Emotionen waren intensiv wie selten zuvor. Jurij Rodionov war wieder Österreichs Matchwinner im Davis Cup – und das vor mehr als 4.000 Zuschauern in einem Heimspiel.
Der 27-Jährige holte im Länderkampf gegen Belgien das entscheidende 3:1 und sicherte dem „KURIER Austria Davis Cup Team“ zum zweiten Mal die Teilnahme am Finalturnier der besten acht Nationen ab 24. November in Bologna. Auf wen Österreich im Viertelfinale trifft, wird am Dienstag gelost.
Insgesamt war es nach 1989, 1990, 1995, 2012 und 2025 bereits der sechste Viertelfinaleinzug Österreichs. An den möglichen Gegner in Bologna wollte Rodionov gar nicht denken: „Das ist noch lange bis dahin. Jetzt muss ich einmal schauen, dass ich die Nacht überlebe.“ Das Team kündigte an, zum Feiern in eine Karaoke-Bar zu gehen. „‚I am from Austria‘ und ‚We are the Champions‘“, wird schon dabei sein, erklärt Rodionov zu den musikalischen Vorgaben.
Die Entscheidung
Damit aus Österreichs Tennis-Stars Sängerknaben werden konnten, mussten diese hart kämpfen. 1:1 stand es nach dem ersten Tag in den Einzelspielen auf dem WAC-Platz.
Am Finaltag gewannen zuerst Lucas Miedler und Debütant Neil Oberleitner das Doppel gegen Gille/Vliegen 7:6 (5), 7:5 und stellten auf 2:1. Im Anschluss verwertete Jurij Rodionov Österreichs Matchball gegen den favorisierten Zizou Bergs, die Nummer 38 der Welt. Mit dem 7:6, 6:3 holte Rodionov, Nummer 142 der Welt, den entscheidenden dritten Sieg.
Danach lobte er das Team: „Es gibt einen Grund, warum wir uns zum zweiten Mal für die Top-8 qualifiziert haben. Wir haben eine so gute Stimmung im Team, da macht es unglaublich viel Spaß, für Österreich zu spielen.“ Das Lob kam von Teamkapitän Jürgen Melzer auch retour: „In diesem Bewerb geht es nicht nur um Top-Spieler, sondern um Spieler, die bereit sind, alles zu geben und so zu performen, damit sich das ausgeht. Mit einer solchen Leidenschaft geht viel. Jeder Betreuer hat eine solche Gaudi.“
Die Nerven
Das Spiel gegen den großen Favoriten Bergs war für Rodionov sehr anstrengend: „Das war ein hartes Stück Arbeit. Obwohl es nur zwei Sätze waren, war es irrsinnig intensiv und lang. Es ging nicht darum, wer der bessere Spieler war, sondern nur darum, wer die besseren Nerven hat vor dieser Kulisse.“
Neben den zwei Einzel-Siegen von Rodionov war auch das Doppel für Österreichs Aufstieg entscheidend. In einer Nervenschlacht setzten sich Lucas Miedler und Debütant Neil Oberleitner in zwei Sätzen durch. Vor Miedlers letztem Aufschlag gab es Standing Ovations. Auch Sportminister Andreas Babler und Sportstadtrat Peter Hacker freuten sich mit.
Österreichs Verband darf sich über eine Final-8-Prämie von 500.000 Dollar freuen. „80 Prozent bekommen die Spieler“, kündigte ÖTV-Präsident Richard Grasl an.
Source:: Kurier.at – Sport



