Vorbild Usain Bolt: Wie Kletter-Star Schubert Geschichte schreiben will

Sport

Wenn Jakob Schubert die Augen schließt, dann türmt sich vor ihm eine steile Wand auf. Er beginnt dann unweigerlich, in Gedanken zu klettern, Tritt für Tritt, Griff für Griff, manchmal bewegt er dabei sogar seine Finger und imitiert die Bewegungen. So tastet er sich vor, bis er endlich oben ist. Am Ziel seiner Träume, am Ende der Route namens DNA.

„Ich kenne sie inzwischen in- und auswendig. Ich denke beim Einschlafen über sie nach und gehe sie im Kopf durch. Und ich höre mir die Sprachmemos an, auf denen ich mir alle Feinheiten und Schwierigkeiten der DNA aufgezeichnet habe“, erklärt Jakob Schubert.

Historischer Plan

Der Rekordweltmeister im Sportklettern (6 Titel) hat über die vergangenen Jahre eine richtige Neigung zu dieser Steilwand in der Verdonschlucht in der französischen Provence entwickelt. Die DNA ist eine Route 9c, das ist der höchste Schwierigkeitsgrad, den es im Klettern gibt.

Erst fünf Menschen ist es gelungen, eine 9c-Route zu bewältigen. Dazu zählt auch Jakob Schubert, der 2023 eine Großtat vollbrachte und die B.I.G.-Variante in der Flatanger-Höhle (Norwegen) meisterte. „Aber noch keinem ist es gelungen, zwei 9c-Routen zu klettern. Das will ich jetzt als erster Kletterer schaffen“, erklärt der 35-jährige Innsbrucker.

Echte Beziehung

Jakob Schubert hat sich für diese Pionierleistung des Klettersports viel Zeit genommen und dabei nichts dem Zufall überlassen. Seit die Idee geboren wurde, den Gipfelsturm auf die DNA zu wagen, verbrachte er viele Wochen in der Verdonschlucht. „Du baust eine richtige Beziehung zum Ort und zur Route auf.“

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Er scannte die Steilwand und sezierte die 50 Meter lange Route, er entwickelte ein Gefühl für den Fels und machte sich über jedes kleinste Detail Notizen. Am Reißbrett weiß Jakob Schubert ganz genau, welche Tritt- und Grifffolge ihn durch die DNA bringt. 

Aber wird dieser Masterplan auch in der Realität funktionieren? Formen sich die vielen Puzzleteile am Ende zu einem vollendeten Gesamtbild?

Richtiges Gefühl

„Mit Improvisieren kommst du da nicht weit. Ich studiere bei solchen Projekten alles ewig ein, bis ich überzeugt bin, dass ich es schaffen kann“, sagt der Tiroler. 

Seit zehn Tagen befindet sich Jakob Schubert nun schon in der Verdonschlucht und hantelt sich die DNA nach oben. Der 35-Jährige erobert dabei die anspruchsvolle Route Tritt für Tritt. „Ich muss das Gefühl haben, dass alles perfekt sitzt. Nur dann habe ich auch wirklich eine Chance, die Route durchzuklettern.“

Großes Prestige

Laut Schuberts Marschroute wird er eine gute halbe Stunde benötigen, um die DNA zu bewältigen. Der anspruchvollste Teil wartet dabei gleich zu Beginn, „ich muss extrem effizient klettern. Es ist so am Limit, dass ich es mir nicht leisten kann, auch nur einen kleinsten Fehler zu machen.“ 

Das ist nicht zuletzt auch eine Belastung für den Kopf. „Du brauchst die richtige mentale Einstellung. Bei so einem Projekt geht es nicht nur ums reine Kletterkönnen.“

Kein Preisgeld

Sollte Jakob Schubert in den nächsten Tagen tatsächlich der Durchstieg der DNA gelingen und er als erster Mensch zwei 9c-Routen bezwingen, wäre das ein Meilenstein für den Klettersport. 

Ein Prestigeerfolg, für den es weder Preisgeld noch eine Trophäe gibt. „Aber in der Kletterszene ist das hoch angesiedelt“, weiß Schubert. „Meine 9c-Route in Norwegen hat …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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