Warum in Österreich immer mehr Junglehrer ihren Job hinschmeißen

Politik

Im internationalen Vergleich sind in Österreich besonders viele Lehrer mit Arbeitsbedingungen und Gehalt zufrieden, über einen Berufswechsel denken nur die wenigsten nach (80 bzw. 6 Prozent).

Bei den Junglehrern sieht es jedoch deutlich weniger rosig aus, zeigt die am Dienstag veröffentlichte neue Ausgabe der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“: Demnach haben neun Prozent der Berufsneulinge mit klassischer Lehrerausbildung den Job hingeschmissen.

Die OECD-Studie ist nicht zu vergleichen mit der PISA-Studie. Letzterer ist ein internationaler Schulleistungstest der OECD, der die Kompetenzen von 15-Jährigen misst. Die Studie der OECD hingegen ist eine Strukturanalyse des gesamten Bildunggssystems.

Junglehrer steigen aus Beruf aus: Die möglichen Gründe

Insgesamt sind in Österreich im Schuljahr 2024/25 drei Prozent der voll qualifizierten Lehrkräfte aus dem Beruf ausgestiegen, mehr als zwei Drittel davon waren Junglehrer mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung. Auch in Luxemburg oder im französischsprachigen Teil Belgiens machen Junglehrer gut zwei Drittel der Aussteiger aus – das sind doppelt so viele wie im Schnitt der 14 OECD-Staaten, aus denen entsprechende Daten gemeldet wurden. Als mögliche Gründe werden in der Studie Arbeitsbelastung, (zu wenig) Unterstützung beim Berufseinstieg und ganz allgemein die Attraktivität der Lehrerlaufbahn für die Jungen genannt.

Für Österreich haben schon frühere Erhebungen gezeigt, dass Junglehrer im Job besonders belastet sind: Sie werden öfter in schwierigen Klassen eingesetzt als ihre erfahreneren Kollegen. Dabei fühlen sich nur vier von zehn nach der Ausbildung gut auf ihren Job vorbereitet, hat die OECD-Lehrerstudie TALIS erst im Vorjahr gezeigt. Der Lehrermangel hat in den vergangenen Jahren außerdem dazu geführt, dass Junglehrer selbst dann viele Stunden im Klassenzimmer stehen oder Zusatzaufgaben wie den Klassenvorstand übernehmen müssen, auch wenn sie nebenbei noch studieren. Seit vergangenem Schuljahr gibt es deshalb neue Schutzbestimmungen, um eine Überlastung zu verhindern.

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Wiederkehr: „Arbeitsbedingungen weiter verbessern“

Die Berufsaussteiger sind seit dem Schuljahr 2017/18 laut „Bildung auf einen Blick“ auch abseits der Junglehrer tendenziell mehr geworden. Österreich gehört dabei zu der Gruppe der Industriestaaten mit einer vergleichsweise geringen Zunahme (Anstieg von zwei auf drei Prozent), in Estland haben sich die Raten unterdessen auf knapp sieben Prozent verdoppelt und im französischsprachigen Belgien auf fast zehn Prozent verdreifacht. Gleichzeitig sind in anderen Ländern wie Lettland, Litauen, Neuseeland, Norwegen oder Schweden die Abgänge gleich geblieben oder sogar zurückgegangen.

Tendenziell zugenommen haben in den OECD-Ländern im Vergleich zum Schuljahr 2017/18 auch die Probleme bei der Personalrekrutierung. 2024/25 konnten in den 20 Industriestaaten mit verfügbaren Daten bis zu drei Prozent der Posten nicht besetzt werden, in einzelnen Ländern wie Lettland oder Luxemburg waren es bis zu vier. Für Österreich wird in der Studie eine Lücke von einem Prozent ausgewiesen.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sprach am Dienstag in einer Aussendung zwar angesichts des internationalen Lehrermangels von einer „guten Ausgangslage“ in Österreich. „Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass junge Lehrer langfristig im Beruf bleiben. Deshalb müssen wir die Arbeitsbedingungen weiter verbessern und den Lehrberuf attraktiv halten.“

Immer mehr Lehrer ohne klassische Ausbildung

Geht es um Lehrermangel, sollten laut den Autorinnen und Autoren von „Bildung auf einen Blick“ zusätzlich auch längerfristige Personalausfälle mitgedacht werden: Im Schuljahr 2024/25 sind in Österreich zehn Prozent der voll qualifizierten Lehrkräfte für mindestens …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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