Theater Experiment: Wie man einander in Stücke reißt

Kultur

Sie hassen einander, sie ringen miteinander und vielleicht blitzt zwischendurch die Erinnerung an eine längst vergangene Liebe hervor. Gewiss ist da auch noch so etwas wie Lust – intensive Gefühle kann hier jedenfalls keiner verbergen. „Totentanz“ ist ein Fest für Schauspieler. Mit diesem Fest feiert das kleine Theater Experiment in der Wiener Liechtensteinstraße nun seinen Start in die 71. Saison. 

Es wird intensiv gehasst auf dieser kleinen Kellertheaterbühne. So sehr, dass man die starke Chemie zwischen Stefanie Elias und Paul Wiborny als Ehepaar im Krieg, in Szene gesetzt von Regisseur Georg Zlabinger, auch im Zuschauerraum spürt. 

Als August Strindberg sein Kammerspiel im Jahr 1900 schrieb, war das Wort „toxisch“ noch nicht derart dauerpräsent, wenn es darum ging, schwierige Beziehungen oder Verhaltensweisen zu beschreiben. Doch es passt punktgenau, um das zu benennen, was hier vorgeht. Die Chemie zwischen Alice und Edgar ist pures Gift.

Alice und Edgar befinden sich seit 25 Jahren im Krieg. Ihr Ehekrieg findet in einem Festungsturm auf einer abgeschiedenen Insel statt, wo das Paar, bedingt durch Edgars Job, lebt. Die Enge wird hier durch eine blaue Guckkastenbühne veranschaulicht, die den Eindruck einer Schiffskajüte erweckt und die Isoliertheit der beiden betont (Bühne: Martin Zlabinger).

Edgar und Alice sind nicht nur räumlich, sondern auch menschlich isoliert: Sie sind mit allen zerstritten. Die Musik der feiernden Nachbarn dringt durch die Wände und Edgar wirkt zunächst selbst in Feierlaune. Sein Wohnzimmertanz (Choreographie: Joe Monaghan), zunächst ausgelassen und lasziv, wird schnell aggressiv. Äußerst unangenehm anzuschauen. Dass die Ehehölle einen tödlichen Ausgang nehmen wird, ist da aber noch nicht absehbar. Schließlich ist der Mensch voller Widersprüche und zu Beginn scheinen die beiden zwar latent zynisch, aber halbwegs friedlich miteinander umzugehen. Erst nach und nach werden die Verletzungen, die man einander im Lauf der Jahre zugefügt hat, offenkundig. Alles wird aufgerechnet, eifersüchtig buhlt man sogar um die Gunst der Kinder und oszilliert zwischen Bitterkeit und purer Vergeltungssucht. 

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Der Weg in die Katastrophe wird durch einen Gast beschleunigt. Jugendfreund Kurt, der die beiden einst zusammengebracht hat, taucht auf. Eigentlich eine Rolle für einen dritten Schauspieler. Hier wird Kurt zunächst als Puppe dargestellt- lebensgroß, fleischfarben, rasch zusammengenäht – damit er dann ebenso rasch in Stücke gerissen werden kann. Im Lauf des Stücks mehren sich diese Puppen, wer nun wer ist, ist nicht mehr klar. Doch in diesem schweißtreibenden Psychokrieg gibt es ohnehin keine Logik. Man weiß nur: Hier kommt keiner lebend raus.  

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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