Von Adelheid Popp bis Clara Zetkin

Kultur

Morgengrauen des 8. Mai 1980. Die 58-jährige Iranerin Farrokhroo Parsa wird von Kopf bis Fuß in einen Kartoffelsack gestopft. Mit Seilen umwickelt wird sie zum Galgen geschleift. „Ihr Tod“, sagt Historikerin Paula Bartley beim Gespräch in der Londoner Royaler Overseas League, „war qualvoll“. Weil die Seile rissen, kam sie wieder zu Bewusstsein. Die Behörden versuchten erneut, sie zu erhängen. Am Ende wurde sie durch ein Exekutionskommando hingerichtet.

Ihr Vergehen? Sie war als Frau in die Politik gegangen. „Parsa war 1963 eine der ersten Frauen, die ins iranische Parlament gewählt wurden.“ Als 16 Jahre später die Regierung gestürzt wurde und Ayatollah Khomeini die Macht übernahm, markierte Parsas Tod den Beginn einer „schrecklichen Unterdrückung“.

Parsa war nicht die einzige Frau, die sich im 20. Jahrhundert Verhaftung, Folter und Tod zum Trotz ihren Weg ins Parlament bahnte. Doch ungeachtet ihrer Errungenschaften sind viele von ihnen heute international kaum bekannt. Das wollte Paula Bartley ändern. In ihrem Buch „Trailblazers“ (dt. Wegbereiterinnen) berichtet die Historikerin über das Leben von Pionierinnen von Afghanistan bis Simbabwe.

Sie erzählt von Hilda Käkikoski, einer „lesbischen, feministischen, vegetarischen Lehrerin“, die 1907 als eine von 19 Frauen ins finnische Parlament einzog. Von der Gräfin Constance Markievicz, die als Leutnant der Irischen Armee 1918 zu Tode verurteilt und nach ihrer Begnadigung im Gefängnis zur Abgeordneten von Dublin gewählt wurde. Von der Deutschen Clara Zetkin, die den Grundstein für den Frauentag legte. Und auch von der Österreicherin Adelheid Popp.

Unerschrocken

Popp, die in den 1870ern als Tochter eines alkoholkranken Vaters und einer analphabetischen Mutter in Inzersdorf aufwuchs, wurde zunächst Dienstmädchen, dann Fabrikarbeiterin, bevor sie bei politischen Treffen über die harten Arbeitsbedingungen erzählte. Als sie 1893 einen Frauenstreik von 600 Arbeiterinnen organisierte, geriet sie ins Visier der Geheimpolizei; für die Verbreitung von Thesen zur freien Entfaltung der Frau landete sie im Gefängnis. 1919 zog sie dennoch als eine der ersten Frauen in den Nationalrat ein und setzte sich für ein neues Eherecht, die Entkriminalisierung der Abtreibung und faire Bezahlung ein.

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Bartley teilt in ihrem Buch Porträts, die berühren, erstaunen und Mut machen. Geschichten, die einen den Kopf schütteln lassen – aufgrund der Ungerechtigkeiten, die Politikerinnen widerfahren sind und wegen des Unglaubens, dass diese Pionierinnen nicht bekannter sind. Sie hätten es sich verdient.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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