
Von Helmut Christian Mayer
Es war am 22. Oktober 1811, da wurde Franz Liszt in Raiding geboren. Genau zu seinem 215. Geburtstag widmete das noch bis 25. 10. dauernde Liszt Festival jetzt dem großen Pianisten und Komponisten hier am Geburtsort ein Jubiläumskonzert ausschließlich mit seinen Werken.
Dabei stand naturgemäß ein großes Klavierwerk im Mittelpunkt des Abends, nämlich das 2. Klavierkonzert, ein Schlüsselwerk der Romantik, das der Komponist als einsätziges „symphonisches Konzert“ bezeichnete. Die vielfach preisausgezeichnete Pianistin Kateryna Titova, quasi hier schon „Pianist in Residence“, wusste dieses mit enormer Virtuosität, großer Griffsicherheit, kraftvollen Anschlägen, rasanten Läufen aber auch großer Gefühlstiefe einfach umwerfend zu musizieren.
Nur musste sie sich fallweise gegen die Klangwogen des Wiener KammerOrchesters unter dem ansonsten umsichtig dirigierenden Martin Sieghart durchsetzen. Wunderbar erklang der fast opernhafte Mittelteil, wenn Cello und Klavier mit einer tiefsinnigen Kantilene, einer herrlichen Belcanto-Stelle, kommunizieren.
Zum Finale ließ man dann noch die ganze Energie, die sich in den letzten Minuten aufbaute, fast förmlich explodieren. Für den Jubel bedankte sich die in Berlin lebende Ausnahmepianistin mit einer Etude von Moritz Moszkowski.
Gedenken
Der Klangkörper konnte auch beim weiteren Programm, das einen starken Ungarnbezug hatte (2026 ist ein Gedenkjahr zum Ungarnaufstand 1956) punkten. So waren noch der populäre, etwas gemütlich musizierte Rákóczi-Marsch, der lange Zeit als inoffizielle Hymne Ungarns galt, sowie die Ungarischen Rhapsodien Nr. 4 und Nr. 6, die zu den publikumswirksamsten Orchesterstücken Liszts zählen, zu erleben. Das unverwechselbare Kolorit und die populären, folkloristischen Themen wurden nur mit kleineren Mängeln, immer zündend und spielfreudig wiedergegeben, wobei der Klangkörper auch über ein beachtliches solistisches Potenzial verfügte. Heftiger Beifall!
Source:: Kurier.at – Kultur



