Isabelle Huppert in Wien: „Ich hoffe, man versteht mich“

Kultur

Wenn Isabelle Huppert durch Wien spaziert, trinkt sie üblicherweise Kaffee, nicht Blut. Seit ihrer Kindheit ist sie oft und gern in der Hauptstadt, erzählt die französische Schauspiel-Virtuosin im KURIER-Gespräch: „Am liebsten habe ich die Kaffeehäuser. Sie gehören zu den wenigen Orten, in denen man Zeitungen noch auf Papier lesen kann.“

Auch für dieses Wochenende hat Isabelle Huppert ihren Besuch in Wien angekündigt. Anlass ist die Premiere von Ulrike Ottingers schwarzhumoriger Vampirsatire „Die Blutgräfin“ (Kinostart am Freitag), die im Rahmen der Viennale ihre Österreich-Premiere feiert. Die deutsche Autorenfilmemacherin schickt Huppert in ihrer Hauptrolle als Erzsébet Báthory, Urmutter der Vampire und kurz „Die Blutgräfin“ genannt, auf der Suche nach einem mysteriösen Buch durch Wien. Seit Ende der 1990er-Jahre trägt sich Ottinger mit der Idee zu ihrer opulenten Kostümgroteske und hat mithilfe der österreichischen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek das Drehbuch geschrieben.

In roten Lackstiefeln und opulenten Kostümen stapft „Blutgräfin“ Isabelle Huppert durch die nächtliche Stadt und führt Birgit Minichmayr als ihre Gruftie-Zofe mit sich. Um sich zu stärken, beißt sie junge Frauen in den Hals und trinkt deren Lebenssaft (oder isst ersatzweise Blunze).

„Ich habe nicht damit gerechnet, jemals einen Vampir zu spielen“, gibt Huppert in ihrer typisch lakonischen Art zu, „aber Vampire üben offensichtlich noch immer eine starke Faszination auf die Menschen aus.“

Es war in erster Linie ihre Verehrung für das Werk der mittlerweile 84-jährigen Avantgarde-Regisseurin Ottinger, die Huppert für das Projekt begeisterte, „doch ich hätte vermutlich auch in einem völlig anderen Film von ihr mitgespielt.“

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Herzerlgruft

Ottingers vampiristische Zeitreise durch das barocke Wien ruft den Habsburg-Mythos der Jahrhundertwende auf und lässt Gegenwart und Vergangenheit ineinanderfließen. Die unterirdischen Gänge der U2 verbinden sich mühelos mit der Herzerlgruft, dem Café Hawelka, der Pestsäule oder dem Riesenrad: „Ulrike hat fantastische Orte entdeckt, von denen ich keine Ahnung hatte“, berichtet Huppert: „Das war wirklich toll, weil man ständig von dieser Schönheit umgeben ist. Manchmal war es allerdings auch etwas beängstigend, weil wir auch sehr viel unterirdisch gedreht haben. Da hatte man das Gefühl, unter den Toten zu sein. Aber genau darum geht es ja: Ein Vampir zu sein, der ständig zwischen Leben und Tod pendelt.“

Zudem wisse man nie genau, in welcher Epoche man sich gerade befinde – „ob in den 1950er-Jahren, der Gegenwart oder in den letzten Jahrhunderten. Der Film ist zeitlos und das macht ihn auch so vielschichtig.“

Jelinek und Minichmayr

In ihrer Rolle als ungarische Gräfin spricht Huppert auch ein paar deutsche Jelinek-Sätze: „Das war schon ein bisschen Arbeit und ich wünschte, ich könnte es besser“, seufzt die Schauspielerin: „Ich hoffe, man versteht mich.“ Tatsächlich reicht Hupperts Verbindung zu Elfriede Jelinek zurück bis ins Jahr 1991 zu ihrem Filmdreh „Malina“. Jelinek schrieb damals für Werner Schroeters Adaption von Ingeborg Bachmanns Roman das Drehbuch; ganz zu schweigen von Michael Hanekes Verfilmung von Jelineks „Die Klavierspielerin“, in der Isabelle Huppert die Hauptrolle verkörperte: „Ich habe mich sehr gefreut, als ich Elfriede Jelinek gemeinsam mit Ulrike Ottinger wiedergetroffen habe“, sagt Huppert, sichtlich bewegt: „Sie ist eine ganz großartige Schriftstellerin und Frau.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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