Mentale Gesundheit: Wie Chefs das Team entlasten

Wirtschaft

„In schnelllebigen Zeiten werden die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer größer“, sagt Bundesministerin Korinna Schumann in ihrer Rede vergangene Woche in der Wiener Urania. „Daher ist es besonders wichtig, gemeinsam auf die psychische Gesundheit zu achten“, betont sie bei der Auftaktveranstaltung der EU-OSHA-Kampagne „Gemeinsam für psychische Gesundheit bei der Arbeit“ (siehe Faktenbox). Die Kampagne soll für das Thema psychische Gesundheit sensibilisieren – und auch bei der Prävention psychischer Belastungen am Arbeitsplatz unterstützen.

„Lange Krankenstände und Frühpensionierungen gehen auch in Österreich vermehrt auf psychische Ursachen zurück.“ Psychische Erkrankungen würden mittlerweile zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit zählen, außerdem bestehe ein Zusammenhang zwischen Arbeitsunfällen und hoher psychischer Belastung, listet sie auf. Kurz: „Es gibt viel zu tun“, so die Arbeitsministerin.

Ansetzen müsse man bei der Gestaltung der Arbeit, ergänzt Roland Pichler, Generaldirektor-Stellvertreter der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Sie müsse so gestaltet sein, dass sie die psychische Gesundheit der Menschen schützt und erhält. „Dabei geht es in erster Linie um Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation und den Umgang miteinander.“

Wo man konkret ansetzen sollte, veranschaulicht eine europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER). Zu den häufigsten psychischen Belastungen in Unternehmen gehören der Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern (56 Prozent), aber auch Zeitdruck (43 Prozent) sowie mangelhafte Kommunikation oder Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens (19 Prozent).

Wie man psychische Gesundheit am Arbeitsplatz nun konkret im Alltag fördern und Arbeitnehmer unterstützen kann, weiß Arbeitspsychologin Veronika Jakl.

Führungskräfte als Vorbild

Die Arbeitspsychologin sieht beim Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz vor allem Führungskräfte in der Verantwortung: „Wenn ich will, dass mein Team Erfolg hat, muss ich schauen, dass es den Mitarbeitern auch psychisch gut geht.“ Immerhin sei das Thema ohnehin vorhanden und wirke sich auf die Arbeitsleistung aus. Entscheidend sei, ob man Belastungen frühzeitig anspricht und nach Lösungen sucht – oder sie ignoriert, bis daraus ein größeres Problem entsteht.

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Auch wirtschaftlich zahle sich das aus: „Man will sich nicht ständig nach neuen Fachkräften umschauen, die man wieder neu anlernen muss.“ Den ersten Schritt müssen Führungskräfte machen, sagt sie. Und zwar bei sich selbst. Sie haben ein Vorbild zu sein. „Als Führungskraft muss man auf seine eigene psychische Gesundheit achten. Schauen, unter welchen Arbeitsbedingungen man als Vorgesetzter arbeitet und was das bei den Beschäftigten ausstrahlt.“ Ist man ständig gehetzt, gereizt, genervt und stellt das gleichzeitig als Normalität dar – „im Sinne von: Das muss eben so sein in der Arbeitswelt, da muss man durch“ –, sei es auch wenig verwunderlich, wenn Mitarbeitende diese ungesunde Sichtweise übernehmen, so die Expertin.

Ein zweiter Punkt sei, Vulnerabilität zu zeigen. Als Führungskraft müsse man sich das auch trauen: „Jeder hat schwierige Phasen. Wenn Vorgesetzte damit aber offen umgehen, schaffen sie ein Klima im Team, in dem es auch normal wird, über Schwierigkeiten, Belastungen und auch persönliche Herausforderungen zu sprechen.“

Eine Möglichkeit seien sogenannte „Check-in“-Runden vor dem üblichen Tagesablauf. Man fragt zu Beginn eines Meetings die Mitarbeitenden, was sie aktuell beschäftigt – beruflich wie auch privat. „Inwieweit das Team mitzieht und offen ist, hängt natürlich auch von der Teamdynamik und den einzelnen Personen ab. Aber es ist die Aufgabe der …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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