Neuer Roman von Susan Choi: In den USA unter Kommunismusverdacht

Kultur

Louisas Vater hat nie schwimmen gelernt. Dieses Geständnis gehört zu den letzten Worten, die er zu ihr sagt, bevor er bei einem Spaziergang entlang der japanischen Küste verschwindet. Ein Ereignis, das das Leben der Zehnjährigen für immer verändert.

Mit dem mysteriösen Verschwinden eines Familienvaters und Universitätsprofessors beginnt Susan Chois Roman „Leuchtzeichen“, der 2025 für den Booker Prize nominiert war. Die 1969 geborene US-Schriftstellerin erzählt darin von Familiengeheimnissen – von Ungesagtem zwischen Eltern, Kindern und Eheleuten. Und sie beleuchtet ein wenig bekanntes Kapitel Geschichte: das Schicksal koreanischer Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan.

Der Roman folgt der Lebensgeschichte von Serk, jenem Mann, der zu Beginn des Romans verschwindet. Serk, ursprünglich Seok, ist ein Sohn koreanischer Flüchtlinge, der in Japan aufwächst und in die USA auswandert, wo er Mathematik studiert und später an der Uni unterrichtet. Dort lernt er Anne kennen, eine weiße Amerikanerin, die er heiratet und mit der er Louisa bekommt. Beide verbergen Geheimnisse voreinander. Anne erzählt ihm nicht, dass sie bereits ein Kind auf die Welt gebracht und im Alter von 18 Jahren zur Adoption freigegeben hat. Serk behält seine Familie für sich, die Jahrzehnte zuvor, aufgrund leerer Regierungsversprechungen, von Japan zurück nach Nordkorea gezogen ist und zu der er den Kontakt abgebrochen hat.

Susan Choi ist im deutschen Sprachraum mit dem Roman „Reue“ bekannt geworden, der von einem geheimnisumwitterten Mathematikprofessor mit koreanischen Wurzeln handelt. In ihrem neuen Roman „Leuchtzeichen“ stellt Choi, selbst Tochter eines koreanischen Mathematikprofessors, die geopolitischen Verstrickungen des Kalten Krieges ins Zentrum eines Familiendramas. Erzählt sie darin Autobiografisches? „Glücklicherweise ist diese Geschichte Fiktion, mein Vater ist über 90 geworden. Ich habe diese Art von Verlust also nicht selbst erlebt. Aber es gab andere Momente in meiner Jugend, aus denen ich – auch wenn sie viel weniger schwerwiegend waren – das Trauma Louisas ableiten konnte“, sagt Choi im Gespräch mit dem KURIER.

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Systematisch verschleppt

Die Geschichte Koreas gehört sehr wohl zu ihrer persönlichen Geschichte: „Mein Vater stammte aus Korea und wanderte in den 1950er-Jahren in die USA aus. Daher war ich mir bestimmter Dinge schon von früher Kindheit an bewusst.“ Was Choi erst bei den Recherchen für dieses Buch lernte, waren die Umstände der Repatriierung ethnischer Koreaner aus Japan nach Nordkorea in den späten 50er- und 60er-Jahren: „In Japan war die koreanische Minderheit extrem benachteiligt. Nun sollte sie in eine Heimat zurück, in der sie noch nie gewesen war.“ Auch Informationen über systematische Verschleppungen japanischer Bürger durch den nordkoreanischen Geheimdienst flossen in Chois Roman ein.

In Susan Chois Familie kannte man diese dramatischen Umstände nur aus der Ferne. „Mein Vater kam als Student zu einer Zeit in die USA, als die US-Außenpolitik und der Antikommunismus sehr daran interessiert waren, die Besten und Klügsten aus dem Ausland für das amerikanische Imperium zu gewinnen. Andererseits war das Land von einer enormen Paranoia hinsichtlich der vermeintlichen Bedrohung durch den Kommunismus geprägt. Mein Vater hatte dazu etliche Geschichten, die seiner Vorstellung von Humor entsprachen. Wie zum Beispiel, dass er Ende der 1950er-Jahre im amerikanischen Süden aus einem Greyhound-Bus geholt und befragt wurde, weil die Behörden dachten, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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