
Das Festival für Neue Musik, Wien modern, widmet sich in der aktuellen Ausgabe unter dem Titel „Im großen Ganzen“ Musik, die sich mit Ökosystemen auseinandersetzt. Eine erhebliche Rolle spielt in Zeiten des Klimawandels das Wasser. Als logisches Vorspiel fungierte „A Sound Map of the Danube“ der Komponistin Annea Lockwood.
Die heute 87-jährige Neuseeländerin präsentierte im Museum für Angewandte Kunst (MAK) das klingende Ergebnis ihrer Reise, die sie von 2001 bis 2005 entlang und auf der Donau vom Ursprung bis zur Mündung ins Schwarze Meer führte. Anhand einer schlichten Landkarte kann man ihre Aufnahmen vom Plätschern des Wassers, Geräusche von Schiffen, Kaulquappen und Menschen, die von ihren Erfahrungen mit dem Fluss erzählen, verfolgen. Wenn man sich wirklich auf diese 167 Minuten währende akustische Fahrt einlässt, staunt man, wie sich die einzelnen Tonsequenzen zu einer mitreißenden Dokumentation zusammenfügen (bis 29. November).
Für die Eröffnung hat das Festival die Komponistin Pia Palme beauftragt. Ihre Arbeit „Mit der Donau“ überzeugte musikalisch durch das fabelhaft agierende ORF Radio-Symphonieorchester Wien (RSO) unter Irene Delgado-Jiménez, besonders die Solo-Flötistin Caroline Mayrhofer, die auch gleichzeitig zwei Instrumente zum Klingen brachte. Packend setzte das Orchester Naturlaute um, Sopranistin Juliet Fraser bestach mit virtuosen Interpretationen. Den Auftakt gaben Pauken, die vor dem Podium platziert waren, aber dann nicht mehr zum Einsatz kamen. Es wäre kein Schaden gewesen, wenn der Fokus auf der intensiven Musik geblieben wäre und keine Rauminstallation davon abgelenkt hätte. Eine transparente Stoffbahn spannte sich über den Saal und diente für Projektionen von Fischen und Wasserpflanzen.
Das war schön anzusehen und entschädigte für eine verzichtbare Performance, die so wirkte, als würden die Darstellerinnen mit getrocknetem Schilf und Seilen ausgestattet Florentina Holzinger spielen wollen. Von den vorgetragenen Texten verstand man nur Wortfetzen.
Gesamtkunstwerk
Wie eine Ironie mutete der Titel „Besser wird’s nicht“ der „Musikverein Perspektiven Elfriede Jelinek“ an. Die eröffneten fulminant mit der Installation „Ghosts & Vampires“ von Olga Neuwirth und der Nobelpreisträgerin. Die Komponistin kam zur Premiere und ließ sich auf einem Floß im Hintergrund mit ihrem Videokünstler Lillevan auf die Leinwand projizieren.
Ihr Gesamtkunstwerk aus Klängen, Texten und virtuoser Video-Kunst führt in 40 Minuten in eine Welt nach der Apokalypse. Eismeere mutieren in Lavaströme und verwandeln sich zurück.
Das wirkt wie eine Art Spin-off der Oper „Monster’s Paradise“, die im Februar in Hamburg zur Uraufführung kam und im Frühjahr von der Grazer Oper gezeigt wird. Auch hier treten die Schriftstellerin und die Komponistin als Vampirinnen Vampi und Bampi (dargestellt von Sylvie Rohrer und Ruth Rosenfeld) auf. Packend reflektieren die beiden Künstlerinnen ihr Schaffen. Jelinek stellt Beziehungen zwischen Neuwirth und Schubert her, dessen Fantasie in f-Moll, D 940, auf Jelineks verstimmtem Klavier (gespielt von Elisabeth Leonskaja und Alexandra Stychkina) erklingt. Wenn die beiden wie im Film, der auch in der Oper zu sehen ist, ins offene Meer treiben, ist das, als ob sie in die Unendlichkeit der Kunst aufbrechen wollen.
Source:: Kurier.at – Kultur



