Gender-Pay-Gap: Warum MINT-Jobs Frauen auch nicht weiterbringen

Wirtschaft

Der Equal Pay Day am 5. November macht einmal mehr auf die klaffende Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Österreich habe den drittgrößten Gender-Pay-Gap in der EU, kritisierte Arbeitsministerin Korinna Schumann im Zuge dessen. Eine neue Auswertung des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts belegt, dass nicht einmal Vollzeitarbeit Frauen vor der Lohnlücke schütze. Sie hält sich hartnäckig – egal, in welchem Alter oder in welcher Berufsgruppe. Doch jetzt soll es endlich ein Gegenmittel geben.

Ein Job im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) soll Frauen ermöglichen, die Gehaltsschere auf individueller Ebene zu schließen. Initiativen Frauen für die Technik zu begeistern, gibt es demnach viele. Denn wo MINT ist, warten die Jobs mit Zukunft, die mit guter Bezahlung. Das hat auch alles seine Richtigkeit – doch es gibt keine Garantie für eine langfristig faire Entlohnung. Das zeigt die Geschichte.

Programmieren: Keine Raketenwissenschaft

IT war einmal ein Frauenjob. In den späten 1960er-Jahren berichtete etwa die Cosmopolitan über das Phänomen der „Computer Girls“. Programmieren war nichts weiter als das „Planen eines Abendessens“. Es brauche nur Geduld und Liebe fürs Detail. Als Computer wichtiger wurden, drängten die „Computer Boys“ in die Branche, für Frauen blieb kaum noch Platz. „Programmieren wurde mit der Zeit bewusst in ein wissenschaftliches, männliches Fach mit hohem Status verwandelt“, beschreibt es der US-amerikanische Informatikprofessor Nathan Ensmenger in seinem Buch aus 2010. Das Prestige der IT stieg, die Gehälter auch.

Den umgekehrten Effekt beobachtete man in der Pädagogik. Der Lehrerberuf war historisch männlich geprägt – auch in Österreich. Ab den 1980er-Jahren begann sich das Verhältnis rasant zu drehen. Die Frauenquote stieg, die Anerkennung nahm ab. Und das Gehalt?

  Nach Insolvenz: Bekannter Diskonter schließt dutzende Filialen

Die Abwertungstheorie ist wissenschaftlich belegt

Die Antwort gibt die Wissenschaft – handfeste empirische Daten gibt es dazu reichlich. Sobald in einem Beruf mehr als 60 Prozent Frauen arbeiten, kommt es nicht nur zu einer Abwertung der Profession, sondern zu tatsächlichen Gehaltseinbußen, belegen etwa zwei US-Sozialwissenschafter in einer groß angelegten Studie. In der Wissenschaft spricht man von der „Abwertungstheorie“, erklärt Ökonomin Sophie Achleitner des Momentum Instituts. „Der Wert, den wir einem Beruf zuschreiben, ist stark davon abhängig, wer ihn ausübt.“ Frauen würden somit nicht zufällig in schlechter bezahlten Berufen landen. Ein Beruf wird geringer bewertet, weil sie darin arbeiten.

Eine spannende Entwicklung zeigt sich auch an den Universitäten. Bislang war ein Studium statistisch betrachtet die beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit und ein Garant für ein höheres Gehalt. Seit den 2000er-Jahren studieren mehr Frauen als Männer an den österreichischen Hochschulen – zuletzt lag der Frauenanteil im Wintersemester 2025/26 bei 56,2 Prozent. Parallel steigt seit Kurzem die Akademikerarbeitslosigkeit drastisch, wobei anzumerken ist, dass die Anzahl der Studierenden insgesamt auf einem Rekordhoch ist. Berufseinsteiger finden keine Jobs, das Studium scheint nicht mehr so viel wert zu sein wie früher. Ein kausaler Zusammenhang mit dem steigenden Frauenanteil ist nicht erforscht.

Ab in die Männerberufe?

„Der Arbeitsmarkt ist momentan extrem nach Geschlechtern segregiert“, sagt Achleitner. Heißt: Er ist in Frauen- und in Männerberufe (Anteil des jeweiligen Geschlechts über 70 Prozent) unterteilt, wobei es doppelt so viele Männer- wie Frauenberufe gibt. Der Appell an Frauen, sich in männliche Domänen zu …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

  Salmonellengefahr: dm ruft Pinienkerne zurück

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.